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¬ Greg 'Slimeguy' Lamberson (USA) - "Zwei Jahrzehnte im Horror Business:
Eine Geschichte voller Blut, Schweiß und Schleim"

Mit Greg Lamberson bin ich erstmals vor ein paar Monaten in Kontakt gekommen, als ich ihn nach einer Promo CD des coolen "Johnny Gruesome" Albums gefragt hatte. Damals wusste ich noch gar nicht, dass Greg nicht, wie ich anfangs fälschlicherweise gedachte hatte, ein Rockmusiker ist, sondern vielmehr ein Regisseur von B-Movies und Autor von Horrorromanen. Und da ich selbst auch ein totaler Horrorfan bin, hab ich gleich mal die Chance genutzt und die DVD von Greg's Splatterstreifen aus den späten 80ern, "Slime City", mit bestellt... von dem Film hatte ich zuvor noch gar nichts gehört, aber die Reviews, die ich auf IMDB und anderen Seiten dazu gelesen hatte, ließen mich  mehr als neugierig werden. Und was soll ich sagen, als ich die DVD dann endlich inden Händen hielt, wurden meine Erwartungen weiß Gott nicht enttäuscht!! Der Film ist einfach supercool und hat's auf jeden Fall verdient,im DVD Regal gleich neben anderen radioaktiven Klassikern wie "The Toxic Avenger", "Atomic Thrill" und "Class Of Nuke 'Em High" einsortiert zu werden!!

Wenn du also auf Grusliges und Groteskes  stehst, dann schnapp dir am besten gleich eine Flasche Bier, leg eine alte Ramones LP auf und nimm dir ein paar Minuten Zeit um dieses Interview zu lesen, das ich mit Greg über MSN geführt hab. Greg entpuppte sich dabei wirklich als sehr sympathischer, redseliger und cooler Gesprächspartner und so kann ich allen B-Movie Freaks, Bücherwürmern, Indie  Filmemachern und anderen Horrorverrückten unter euch nur empfehlen, sich dieses Interview von vorn bis hinten durchzulesen!!
 

Einleitung
(Einleitung · Filmemachen · Slime City · Slime City auf DVD · Slime City Massacre · Greg's Romane · Cheap Scares!)

Greg: Vie geht es inen?

Mir geht’s super! Wollen wir das Interview auf Deutsch machen? ;)

Greg: Nein! Ich habe 1979 ein Jahr lang einen Deutschkurs belegt und dann noch mal zwei Wochen im Jahr 1980. Alles, woran ich mich erinnern kann, ist "Ich heisse Fraulein Braun.  Schliessen sie das fenster!".

Na ja, zumindest ist das mehr als ich noch von dem Spanisch Kurs weiß, an dem ich vor gut zwei Jahren mal teilgenommen hatte. Aber genug geplaudert und los geht’s!! In einem Interview mit Rogue Cinema hast du einmal gesagt, dass du „schlicht und ergreifend ein Horrortyp“ wärest und dass all dein künstlerisches Schaffen bis zu einem bestimmten Grad Horror-Bezug hätte. Kannst du dich denn noch daran erinnern, wann und wie deine Faszination für das Gruselige, Dunkle und Makabre erstmals aufkam?

Greg:  Ich versuche mal, mich soweit zurückzuerinnern, wie es mein Gedächtnis eben zulässt: Meine Mutter hat mich alleine großgezogen und schon im zarten Alter von vier Jahren hat sie damit begonnen, mich ins nahe gelegene Kino mitzunehmen. Außerdem hat sie mir auch viele Comicbücher gekauft und in diesen Comics waren Anzeigen für eine Serie von "Aurora" Plastikmonstermodellen, die im Dunkeln leuchten. Spätestens da hat’s mich endgültig erwischt: Ich hab die Anzeigen ausgeschnitten und sie überall um meinen Fernseher herum aufgebaut. Dann hab ich mir die Modelle gekauft und bin bis spät in die Nacht wach geblieben, um die Filme zu sehen, die als Inspiration für die Modelle gedient hatten.

Kannst du dich noch an den allerersten Horrorfilm erinnern, den du überhaupt je gesehen hast?

Greg: PINOCCHIO GOES TO MARS! Meine Mutter ist sehr liberal und ich bin schon von klein auf mit einem Fernseher im Zimmer aufgewachsen. Ich hab mir Episoden von THE TWILIGHT ZONE reingezogen, die mir die Nackenhaare zu Berge stehen lassen haben. Der erste richtige Horrorfilm, den ich mir angeschaut habe, war DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE. Ich was schon als Kind die Hammer-Filme cooler als die Universal Classics.

Was ist das Besondere, dass Gruselgeschichten (“Gothic Novels”) und Horror Filme so faszinierend und fesselnd macht? Warum ist dein Interesse am Horror Genre auch nach über drei Jahrzehnten als Fan, Filmemacher, Romanautor und Fanzine Redakteur noch immer genauso stark vorhanden wie eh und je?

Greg: Ich war schon immer der Meinung, dass das Horror-Genre, mehr als jedes andere Genre, den Leuten die Möglichkeit gibt, ihre rohen und ungeschliffenen Emotionen zu erleben. Und das ist natürlich etwas sehr gewaltiges. Wenn ich das Wort "Gothic" höre, dann denke ich eher an die traditionellen gotischen Urbilder: ein großes Herrenhaus auf einem Hügel, stürmische Klippen, ein verlassenes Schloss… und dies sind ja doch eher sehr romantische, klassische Vorstellungen.

Wie dem auch sei, es kam mir niemals so vor, dass ich zu alt geworden bin, um auf Horror abzufahren. Zum einen, weil ich nun mal auf Monster stehe und zum anderen, weil ich einfach auch nie das Gefühl gehabt hatte, dass man überhaupt zu alt dafür sein kann, ein Horror-Fan zu sein. Horror kommt in allen möglichen Bereichen der Erwachsenenunterhaltung vor, z.B. auch in Kriminalgeschichten und Thrillern. Jeder von uns hat vor irgendetwas Angst. 
 

Erste Schritte im Filmbusiness
(Einleitung · Filmemachen · Slime City · Slime City auf DVD · Slime City Massacre · Greg's Romane · Cheap Scares!)

Mitte/Ende der 80er hast du begonnen, auch aktiv in der Filmindustrie mitzumischen. Zu dieser Zeit hast du nämlich u.a. an den Sets von Kultstreifen wie “Elmar“ oder “Atomic Thrill“ gearbeitet. Was war ausschlaggebend für deine Entscheidung, nicht mehr einfach nur Fan zu sein, sondern auch selber Horrorfilme zu drehen?

Greg: Ich wusste schon als Kind, dass ich Geschichten erzählen wollte. Zuerst habe ich Comics gezeichnet, dann Stop Motion Animationen gemacht. Als STAR WARS in die Kinos kam, wurde mir klar, dass Film dasjenige Medium ist, das alle diese verschiedenen Ansätze in sich vereint. Damals war ich in der siebten Klasse und ich wusste seitdem, dass ich später einmal zur Filmhochschule gehen und Filme drehen wollte. Da ich meine ganze Kindheit in einem kleinen Städtchen verbracht hatte und es zu dieser Zeit natürlich auch noch kein Internet und dergleichen gab, wusste ich praktisch gar nichts übers Filmemachen.

Das kam erst als ich nach New York City gezogen bin. BASKET CASE lief gerade als "Midnight Movie" und TANZ DER TEUFEL und THE DEADLY SPAWN wurden in einem Kino gezeigt, in dem ich arbeitete. Wie sich später herausstellen sollte, hasste ich die Filmhochschule! Also brach ich mein Studium nach einem Jahr wieder ab um stattdessen Filme zu drehen und ich bekam auch prompt eine Stelle als Produktionsleiter bei ATOMIC THRILL.

Wie war es mit einer Horrorikone wie Frank Henenlotter zusammenzuarbeiten und inwiefern würdest du sagen, dass die Arbeit am Set eines Films wie “Elmar“ dir dabei geholfen hat, dein Können und Wissen als Filmemacher zu verbessern? Was konntest du von jemandem wie Frank Henenlotter lernen, das dir deine Lehrer an der Filmhochschule nicht beibringen konnten?

Greg: Jimmy Muro, der später Regie bei STREET TRASH führen sollte, war ein Kumpel von mir auf dem College (er hat seinen Abschluss ebenfalls nicht gemacht). Da Jimmy als Produktionsassistent bei BASKET CASE gearbeitet hatte, war er so etwas wie ein Star bei uns in der Klasse. Durch ihn haben mein Freund Peter Clark und ich Frank kennen gelernt. Der kam nämlich regelmäßig in der Videothek vorbei, in der wir damals arbeiteten. Frank und sein Produzent, Edgar Levans, haben Peter und mich dann mit unserem späteren Anwalt in Kontakt gebracht, so dass wir die Slime City Company gründen konnten. Wir waren also schon in Kontakt miteinander bevor ich bei ELMAR mitgearbeitet hatte und ich hatte—und habe—enormen Respekt für Frank.

Peter und ich haben SLIME CITY übrigens gedreht, bevor wir bei ELMAR am Set arbeiteten und wir haben die Post Production verschoben, um bei Frank’s Film mitmachen zu können. Frank ist ein unglaublicher Historiker und wann immer er eine Anekdote oder Geschichte erzählte, lassen die Leute um ihn herum alles stehen und liegen um ihm zuzuhören. Er weiß auch haargenau was er will in Punkto Einstellungen und Aufnahmen und das ist ein Talent, mit dem nicht viele Regisseure gesegnet sind. Die meisten Leute sagen zwar, dass sie wissen was sie wollen, aber das stimmt nicht! Wenn ich zuerst am Set von ELMAR gearbeitet hätte, wäre SLIME CITY mit Sicherheit ein besserer Film geworden. Mein zweiter Film, UNDYING LOVE, der auf VHS unter dem Titel NEW YORK VAMPRE erschienen ist, aber bisher noch nicht auf DVD veröffentlicht wurde, ist in Bezug auf die Regiearbeit sehr viel besser ausgefallen als SLIME CITY.

I möchte aber keinesfalls den Eindruck erwecken, als hätte ich schlechte Lehrer an der School Of Visual Arts. So habe ich z.B. “Produktion“ bei Roy Frumkes studiert, der inzwischen auch ein guter Freund von mir ist.
 

Die Entstehungsgeschichte von “Slime City”
(Einleitung · Filmemachen · Slime City · Slime City auf DVD · Slime City Massacre · Greg's Romane · Cheap Scares!)

Aha, ich wusste gar nicht, dass du am Set von “Elmar” gearbeitest nachdem “Slime City” abgedreht war… aber halb so wild, denn nun, wo du den Namen “Slime City“ schon mal ins Spiel gebracht hast, können wir auch gleich ’ne Runde über diesen Streifen quatschen. Sofern ich richtig informiert bin, hast du den Film 1986 geschrieben. Was war es für ein Gefühl, auf einmal nicht mehr nur am Set von anderer Leute Filmen zu arbeiten  (wie z.B. “Plutonium Baby“ oder “Atomic Thrill“), sondern vielmehr dein ganz eigenes Stückchen Horrorfilm Geschichte zu kreieren?

Greg: Alle glauben, dass ich zuerst bei ELMAR mitgearbeitet habe, da dieser Film vor “Slime City” veröffentlicht wurde. Wie STREET TRASH, so hatte auch ELMAR ein Budget von 900,000 US$ und von daher hatten sie natürlich auch genügend Geld um ihren Film innerhalb des Zeitplans fertig zu stellen. SLIME CITY hatte ein Gesamtbudget von 50,000 US$ und ich selbst hatte nur 35,000 US$ zur Verfügung, von daher zogen gute zwei Jahre ins Land, ehe der Film endlich fertig war.

Sobald ich die Filmhochschule verlassen hatte, fasste ich einen Plan: Ich schrieb das Drehbuch zu SLIME CITY und sagte zu Peter: „Wir werden diesen Film machen.“

Dann arbeiteten wir am Set von ATOMIC THRILL, um zu lernen, was genau von Nöten ist, um einen richtigen Film zu machen und nicht nur einen Stummfilm auf Super 8, wie wir sie in der Filmhochschule gedreht hatten. Nach den Dreharbeiten zu SLIME CITY arbeiteten wir am Set von PLUTONIUM BABY für ungefähr zwei Wochen, ehe wir uns dem Schneiden von SLIME CITY widmeten und dann Teil der ELMAR-Crew wurden. Die Arbeiten an diesen vier Filmen gingen also innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums vonstatten. Und zur selben Zeit wurde außerdem auch noch STREET TRASH in Brooklyn aufgenommen.

Obwohl ein Budget von 50,000 US$ (oder sogar nur 35,000 US$) geradezu mikroskopisch klein wirkt, wenn man es mit den Standards von Hollywood & Co vergleicht, so ist es doch eine ganz schöne Menge Geld, wenn man bedenkt, dass du damals lediglich ein 22 Jahre alter Filmstudent warst. Wie hast du’s fertig gebracht, soviel Geld für dein Regiedebüt aufzutreiben?

Greg: Die ganze ökonomische Situation war damals komplett anders. Das Medium VHS war gerade neu auf dem Markt und die Menschen zahlten 80 US$ für einen großen Blockbuster und 60 US$ für Filme, von denen sie vorher noch nie gehört hatten. Die Videotheken haben also gut und gerne 40 bis 60 US$ pro Kassette ausgegeben und die Vertriebe scheffelten ein Vermögen. Peter, ich und unserer dritter Partner, Marc Makowski, haben 20,000 US$ aus eigener Tasche bezahlt und dann haben wir unsere Freunde und Familie so lange beackert, bis sie weitere 15,000 US$ reingebuttert hatten. Zu guter Letzt hat uns auch noch ein Handelsvertreter eines Filmvertriebs einen Vorschuss von weiteren 20,000 US$ gegeben.

Wenn ich das richtig verstanden hab, dann hast du im Audiokommentar zu “Slime City“ erzählt, dass die gesamte Crew für lau gearbeitet hat. Und immerhin haben an dem Film nicht nur Freunde von dir teilgenommen, sondern auch  Profis wie z.B.  der “Splatter University“-Star Dick Biel, der “Street Trash“ Regisseuer Jim Muro oder das “Class Of Nuke ’Em High“ Special Effects Team Scott Coulter und Tom Lauten. Wie hast du es geschafft, dass all diese Leute umsonst an deinem Film mitgearbeitet haben?

Greg: Jimmy wollte uns einfach einen Gefallen tun und hat deshalb einen Tag als Steadicam Operator für uns gearbeitet. Scott und Tom hatten ein Budget von 7,000 US$ für die Special Effects und ich denke schon, dass sie davon einen Teil als Bezahlung einkassiert haben, auch wenn’s natürlich nicht viel war. Und Dick Biel, den ich übrigens vor ein paar Jahren mal wieder getroffen hatte, war wie jeder andere Schauspieler auch sehr interessiert daran, in möglichst vielen Filmen aufzutreten, um Material für sein Demoband zusammenzubekommen. Alle haben sich für dieses Projekt richtig reingehängt, da sie gesehen hatten, dass sie am Ende um ein paar gute Aufnahmen für ihre Demobänder reichen sein würden. Es freut mich übrigens, dass du Dick erkannt hast. Ich wünschte ich hätte ihn in den Credits gesondert angekündigt und irgendwas im Sinne von “Und Dick Biel als Irish O’Bannon!“ geschrieben.

Joa, ich hab ein altes Video von “Splatter University”... obwohl ich ja gestehen muss, dass ich Dick Biel nur erkannt hab, da du im Audiokommentar zu “Slime City“ an einer Stelle anmerkst, dass er auch in “Splatter University“ mitgewirkt hat. Wenn ich ehrlich bin, dann ist “Splatter University“ auch nicht unbedingt einer meiner Lieblingsfilme… wenn Wolf und die anderen Teenager mehr Screentime bekommen hätten, wär der Film um Längen besser. Aber egal. Zurück zu “Slime City“…

Im Jahre 1988 war es dann endlich so weit und “Slime City” flimmerte zum ersten Mal über die Kinoleinwände der New Yorker Lichtspielhäuser. Obwohl der Film nur ein paar Wochen lang lief und keinen großen, landesweiten Release sein eigen nennen konnte, muss es trotzdem supercool gewesen sein, mitzuerleben, wie der “Slime City“ vor dutzenden Filmfans öffentlich aufgeführt wurde. Kannst du dich noch an das allererste Screening von “Slime City“ erinnern?

Greg: SLIME CITY feierte im Waverly Twin seine Premiere, wo zur selben Zeit auch BASKET CASE und ATOMIC THRILL im Spätprogramm liefen. Die erste Aufführung entpuppte sich als echtes Desaster! Das Kino hatte zwar einen 16mm Projektor gemietet, allerdings war der Vorführer zu faul, um den 35mm Projektor vorher zur Seite zu schieben und so war das halbe Bild die ganze Zeit hinüber unscharf. Jedes Mal wenn er die Schärfe angepasst hatte, wurde die andere Hälfte unscharf. Ganz im ernst, es war eine der schlimmsten Nächte meines Lebens—bis UNDYING LOVE im Jahre 1992 Premiere feierte und der Stecker des Projektors mit der Steckdose verschmolzen ist und wir mitten in der Vorführung für gute 45 Minuten ohne Strom dastanden!

Aber die Vorführung im Spätprogramm—in einem anderen Kino, nämlich dem Bleeker Street Cinema—verlief fantastisch: SLIME CITY lief an sechs Wochenenden in Folge, was durchaus achtbar ist, und vier oder fünf Vorstellungen waren sogar komplett ausverkauft. Die Leute lachten und johlten und einige sind sogar in der Mitte der Vorstellung noch dazu gekommen (anstatt abzuhauen). Es war einfach nur großartig.

In den folgenden Jahren ist “Slime City” mehrfach auf VHS in den USA und diversen anderen Ländern erschienen. Waren dies offizielle Veröffentlichungen, für die du auch entsprechend entlohnt wurdest, oder waren es vielmehr Bootlegs, die ohne dein Wissen und deine Zustimmung hergestellt wurden?

Greg: Wir hatten einen offiziellen Deal über einen VHS Release in den USA mit Camp Motion Pictures. Sie zahlten uns das Geld für die ersten 2,500 Kopien im Voraus—das waren immerhin 13,000 US$—doch dann verschwanden sie einfach so über Nacht ohne uns die nächsten 13,000 US$ zu zahlen, die sie uns noch schuldeten.

Was den ausländischen Vertrieb anbelangt, so waren diese Deals (oder zumindest diejenigen, von denen wir wissen) ebenfalls legitim und wir haben am Ende noch weitere 3,000 US$ bekommen, nachdem unser Auslandsvertreter die 20,000 US$, die er uns incl. Zinsen und Gewinnbeteiligung vorgestreckt hatte, vollständig wieder einkassiert hatte. Aber natürlich kann er den Film auch in weitere Länder verkauft haben, ohne dass wir davon etwas wussten, oder aber er kann einfach so zusätzliche Kohle in die eigene Kasse gesteckt haben. Eine ganze Menge dieser Typen waren regelrechte Gauner. Als wir unseren Auslandsvertreter zuhause besucht hatten, um unser Material abzuholen, entpuppte sich seine bescheidene Bleibe als regelrechte Villa mit mehreren Etagen und einem eigenen Vorführraum für Kinofilme—und ich bin mir sicher, dass all dieser Luxus mit dem Blut von unabhängigen Filmemachern bezahlt wurde.

Aus rein persönlichem Interesse würde es mich interessieren, ob du bestätigen kannst, dass auch eine deutsche Version von “Slime City“ existiert?

Greg: Nein! Aber ich bin nicht überrascht. Ich würde liebend gern ein Exemplar sehen und den Namen des Vertriebs herausfinden. Wenn sie die Rechte von POP Cinema/Shock-O-Rama gekauft haben, dann schulden die mir noch Geld! Sprichst du hier von einer VHS, DVD oder einem Fernsehfilm?

Ich hab keine Ahnung. Ich hab bisher noch nie eine deutsche Version von “Slime City“ gesehen… ich hab nur gefragt, weil die deutschen Versionen von 80er Horrorfilmen in den meisten Fällen einfach zum Schießen sind, da die Übersetzung und Synchronisation so ungeheuer schlecht ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Filme wie “Shock ’Em Dead“, “Atomic Thrill“ oder auch “Beast You!“ genauso gut finden würde, wenn sie nicht diese fürchterlichen Synchronisationen hätten. Wenn es also eine deutsche Version von “Slime City“ geben würde, dann würde ich definitiv danach Ausschau halten…

Greg: Oh, dann hab ich das falsch verstanden. Ich bin froh, dass ich die POP/Shock-O-Rama Leute nicht gleich einen verdammten Haufen von Dreckssäcken und Dieben genannt habe, weil ich sie ehrlich gesagt sehr mag. Deutschland war ein schwieriger Markt in den 80ern. Wie es heute ist, weiß ich nicht. Alle paar Jahre fragt mich Mike Raso von POP aufs Neue, ob ich noch einen M&E Track (Tonspur mit lediglich Musik und Effekten) von dem Film habe, damit er ihn an ein weiteres Land verkaufen kann. Doch leider kann ich sämtliche Tonspuren schon seit Jahren nicht mehr finden. Ich denk mir immer: “Wozu das ganze? Haben die keine Untertitel? Puristen mögen Untertitel!“.

Soweit ich das mitkriege, kommt hier bei uns eigentlich kaum ein Film mit Untertiteln raus. Der einzige, der mir jetzt auf die Schnelle einfällt, ist “Necrofiles 2“ und ich kann mir kaum vorstellen, dass der ein großer kommerzieller Erfolg war… aber egal, hier kommt noch ein Frage, die ich eigentlich schon vorher stellen wollte, jedoch vorhin blöderweise vergessen hatte…

Ein Aspekt von “Slime City”, den ich wirklich beeindruckend fand, waren die fantastischen Splatter Effects. Während viele andere Midnight Movies der 80er leider weitaus unblutiger als erwartet ausfallen, entpuppt sich “Slime City“ als wahres Festessen für alle Gorehounds. War es sehr schwierig, all diese kultigen Effekts und vor allem das irre Finale mit solch einem knappen Budget in die Tat umzusetzen?

Greg: Na ja, der ganze Film war ein große Herausforderung. Aber ich denke, dass 7,000 US$—also gut 20% des Budgets, das wir hatten, um den Film in den Kasten zu kriegen—für damalige Verhältnisse schon ein ganz amtlicher Betrag war. Scott und Tom haben ein Haus gemietet, das ungefähr eine Meile von dem Haus entfernt war, das ich gemietet hatte und in dem wir den Film drehten. Im Keller haben sie ihre Werkstatt eingerichtet. Ein Typ namens Gary Yee war für das Latex zuständig und Dan Frye war ihr Assistent und Makeup Artist. Ein Viermann-Team ist für solch eine Aufgabe schon eine ziemlich gute Besetzung. Aber dennoch war der Dreh wahrlich zermürbend und so brauchten wir z.B. fünf Tage um das Ende abzudrehen—und ich spreche hier von 20 Stunden-Tagen. Ich hab den Dreh immer recht zivil gehalten, es war also nicht wie bei der Dinner Szene im TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder so. Wir gingen sehr professionell ans Werk und behandelten alle Crewmitglieder gut. Aber es war nichtsdestotrotz alles andere als ein Zuckerschlecken!
 

"Slime City" DVD auf Retro-Shock-O-Rama
(Einleitung · Filmemachen · Slime City · Slime City auf DVD · Slime City Massacre · Greg's Romane · Cheap Scares!)

Vor ein paar Augenblicken hast du ja schon einmal die “Slime City” DVD auf Shock-O-Rama angesprochen. Lass doch mal ein paar Details darüber hören. Wie bist du mit den Shock-O-Rama Leuten in Kontakt gekommen und wie ist die Zusammenarbeit mit ihnen gelaufen? Bist du zufrieden damit, wie sie die “Slime City“ DVD neu aufgelegt und vermarktet haben?

Greg: Mein zweiter Film UNDYING LOVE ist ein Vampirthriller, der in seiner Machart an einen sehr düsteren, beklemmenden Film Noir erinnert. Ich finde, dass es bisher mein bester Film ist und als der Streifen im Spätprogramm lief, ist er auch sehr gut angekommen und hat gute Kritiken bekommen. Jedoch hat sich der Videomarkt anno 1990 drastisch verändert und kaum jemand hat noch sonderlich großes Interesse an Lowbudget Filmen gezeigt. Niemand hat mehr einen Cent für B-Movies ausgegeben und wir haben uns erfolglos von einem Business-Vertreter an den nächsten gewandt.

1997 sind wir dann endlich bei E.I. Cinema gelandet und sie haben den Film als NEW YORK VAMPIRE auf VHS rausgebracht und er hat sich auch ganz OK verkauft. Ich pass nicht unbedingt 100% zu E.I. Cinema, da ich eher an klassischem Horror interessiert bin und sie mehr auf nacktes Fleisch und albernen Humor stehen. Aber ich kenn MikeRaso und Jeff Faoro nun schon seit über 10 Jahren. Ich mag sie beide und ich glaub auch, dass sie mich mögen und so ziehen beide Seiten den größtmöglichen Nutzen aus dieser Partnerschaft.

1999 haben sie dann auch SLIME zum zehnjährigen Jubiläum auf VHS wiederveröffentlicht. Und später haben sie auch die SLIME DVD rausgebracht. Ich bin dafür sogar auf eigene Kosten nach New Jersey gefahren um den 16x9 Transfer zu beaufsichtigen und dem Film so das richtige Framing zu geben. Allein dafür hat sich die ganze Mühe schon mehr als gelohnt, denn abgesehen von einigen altersbedingten Abnutzungserscheinungen auf dem 16mm Film, den wir benutzt haben, sieht die DVD wirklich fantastisch aus. Ich bin mit der ganzen DVD sehr zufrieden und es freut mich auch, dass NAKED FEAR und meine kleine Behind-The-Scenes Dokumentation ebenfalls darauf enthalten sind. Alles in allem ist es echt ein schönes Gesamtpaket.

Durch POP hab ich außerdem viele neue Freunde gewonnen, wie z.B. Paige Davis, die dort fürs Marketing zuständig ist oder Justin Wingenfeld, der bei SKIN CRAWL Regie geführt hat und außerdem bei POP das Warenlager leitet. Wenn sie einfach bloß meine Filme finanzieren würden, dann würde ich sagen, dass wir eine kleine, glückliche Familie wären, doch wie ich schon sagte, wir wollen verschiedene Arten von Filmen machen. Wenn sie UNDYING LOVE (unter DIESEM Titel) veröffentlichen würden, dann wäre ich bereits ein bisschen glücklicher.

Die DVD Version von “Slime City” beinhaltet einen anderen Schnitt als die Originalversion aus den 80ern. Was sind die größten Unterschiede zwischen diesen beiden Versionen des Films?

Greg: Bei der Originalversion sahen die Credits am Anfang wirklich billig aus und der Abspann war unscharf. Einige Szenen waren etwas länger—30 Sekunden hier, 10 Sekunden da—und ich habe sie geschnitten, um den Film insgesamt schneller zu machen. Ich hab auch einige Szenen rausgenommen, die mir im Nachhinein peinlich waren und ich bin weiß Gott niemand, der schnell rot anläuft.

Scott hatte z.B. die Idee, dass Robert Sabin’s Haare zunehmend grauer werden, so dass er am Ende die selbe Haarfarbe hat wie Zachary, der Okkultist, der von seinem Körper Besitz ergriffen hat. Also haben wir Robert’s Haare immer grauer werden lassen, doch am Ende hat der Schleim das Grau rausgewaschen und es passte nicht mehr zusammen. Als Mary Huner am Ende ihr Date mit Robert hat, macht sie in der ursprünglichen Version einen Witz über seine Haare. Diesen Witz habe ich nachträglich rausgeschnitten, da ich es für besser hielt, die Zuschauer nicht noch extra auf die Haare aufmerksam zu machen. Also beginnt die Szene jetzt damit, dass die beiden auf dem Sofa rummachen. Die darauf folgende Szene, in der die beiden im Bett liegen nachdem sie Sex hatten, hat ursprünglich einen der peinlichsten und verschämtesten Dialoge beinhaltet, die ich je geschrieben hab und hier habe ich fast das komplette Gespräch geschnitten. Nun ist der letzte Akt etwas abrupt—“Wie? Die beiden hatten Sex???“—aber das ist egal, denn zumindest müssen wir so nicht mehr so lange auf das große Finale warten.

Hat der DVD Release das Interesse an “Slime City” wieder aufleben lassen? Haben viele Fans, die den Film in den 80ern verpasst haben, ihn nun endlich für sich entdecken können?

Greg: Auf jeden Fall! Es vergeht keine Woche ohne dass ich Fanmail zu “Slime City” bekomme. So haben mir z.B. ein Fan aus Irland und ein Fan aus Spanien beide das Gleiche gesagt, nämlich: “Ich hab diesen Film gesehen als ich noch ein Kind war. Es war mein erster Splatterfilm und ich hab ihn bis jetzt locker 100 Mal geguckt!“.

Auch auf Conventions kommen immer wieder junge Fans zu mir—manche mit der DVD, andere mit der Original VHS—und erzählen mir, dass sie den Film lieben. Für mich ist so was keinesfalls selbstverständlich, von daher bedeutet mir solches Feedback wirklich viel—immerhin repräsentieren genau diese Fans ja auch die Zielgruppe des Filmes. Die DVD ist vor zweieinhalb Jahren erschienen und dennoch ist es immer wieder das Gleiche, wenn ein neues Review im Internet auftaucht. Die Kritiker schreiben jedes Mal aufs Neue: “Ich hab keine Ahnung, wie ich diesen Streifen verpassen konnte, aber ich liebe ihn!“. Inzwischen sind 20 Jahre vergangen und ich meine Einschätzung des Filmes ist stets realistisch geblieben: der Streifen ist was er ist und du musst schon mit der richtigen Einstellung an ihn herantreten, um ihn wertschätzen zu können. Es ist einfach fantastisch, dass so viele Menschen den Film im Laufe der Jahre entdeckt haben und dass sie alle noch immer auf das stehen, was wir vor so langer Zeit auf die Beine gestellt haben, ohne dass wir damals auch nur die leiseste Ahnung hatten, was wir überhaupt tun.
 

Die langerwartete Fortsetzung: "Slime City Massacre"
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Es freut mich zu hören, dass sich “Slime City” noch immer solch großer Beliebtheit erfreut. War das auch einer der Gründe dafür, dass du dich nun endlich entschlossen hast, den Nachfolger mit Namen “Slime City Massacre“ in Angriff zu nehmen?

Greg: Eigentlich wollte ich nie einen zweiten Teil von “Slime City” drehen. Der Business-Vertreter, der uns damals einen Teil des Budgets für den ersten Teil geliehen hat, hatte mich einmal gefragt, ob ich Interesse daran hätte, eine Fortsetzung zu drehen. Ich fragte “Wie hoch ist das Budget?“, er sagte “Genauso hoch wie beim ersten Teil.“ Und ich antwortete ihm “Vergiss es!“. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Story überhaupt eine Fortsetzung rechtfertigt. Aber auch 20 Jahre später ist der Film noch immer erfolgreich, weil die Fans von heute die selben Dinge neu entdecken, auf die auch die Fans in den 80ern schon gestanden haben: FROM BEYOND, BASKET CASE, FRANKENHOOKER—gute Lowbudget Streifen mit Latex-Effekten anstelle von CGI. Aufmüpfiges Kino für ein Nischenpublikum, auf die Beine gestellt von rebellischen Filmemachern, die nicht bereit sind, ihre Werke zu entschärfen nur um damit “die größtmögliche Masse an Zuschauern“ ködern zu können.

Dieses Jahr feiert SLIME CITY sein 20. Jubiläum. Die Schauspieler und ich haben den Film auf diversen Festivals gezeigt und es war einfach überwältigend. Die Fans haben nach einer Soundtrack CD gefragt und somit haben der Komponist und ich selbige aus eigener Tasche produziert. Und die Fans haben auch nach einer Fortsetzung gefragt… also begann ich nachzudenken… und schließlich ist mir eine Story eingefallen, die mir sehr, sehr gut gefällt. Vor ein paar Monaten hab ich dann Robert und Mary davon bei einem Filmfestival erzählt und mir weiter Gedanken dazu gemacht. Dann hat mir ein befreundeter Schriftsteller 10,000 US$ angeboten, um die Sache ins Rollen zu bringen. Das ist zwar gerade einmal 1/15 des Geldes, das ich benötige, um diese Projekt angemessen in die Tat umzusetzen, aber es war genug dafür, dass ich mich auf den Hosenboden gesetzt und in gerade mal einer Woche das Drehbuch fertig geschrieben habe.

Du hast ja gerade schon angesprochen, dass die alten Splatterklassiker ein gewisses Etwas haben, das den meisten heutigen Horrorfilmen fehlt: diese wagemutige Do-It-Yourself Herangehensweise mit handgemachten Effekten anstelle von billigen Computergraphiken und echter Leidenschaft fürs Filmemachen anstelle vom bloßen Interesse zur Gewinnmaximierung… von daher frag ich mich, ob du bei “Slime City Massacre“ auch den Oldschool-Weg gehen und z.B. altgediente Effekte statt seelenloser CGI benutzen wirst. Nicht, dass du mich falsch verstehst, ich find ’ne Menge neuer Horrorfilme auch sehr cool, aber in gut 9 von 10 Fällen sind die alten B-Movies einfach meine Favoriten, da sie einfach dieses ganz besondere Flair und diese einzigartige Magie haben…

Greg: SLIME CITY MASSACRE wird die völlige Glorifizierung des 70er und 80er Filmemachens, das ich so liebe—das ist einer der Hauptgründe, warum ich den Film überhaupt mache. Von daher werden die meisten Effekte auch ganz klar auf Oldschool-Art umgesetzt. Diesmal wird es vier besessene Charaktere—also quasi vier Helden—geben und nicht nur einen und jeder von ihnen wird seine eigene Latexmaske bekommen. Bei SLIME CITY MASSACRE werden wir zur selben Zeit altgediente Effekte und neue Techniken kombinieren: ein Freund von mir, R.J. Sevin, der Herausgeber von Horrorgeschichten ist, hat bereits einige exzellente Testaufnahmen von einem der Gehirne für mich gemacht: er hat ein Gehirn aus allerlei Kram gebastelt, den er gerade zur Hand hatte und hat er es an zwei Stäben gefestigt und über den Küchenboden kriechen lassen. Sich selber hat er nachträglich digital heraus retouchiert. Und all das hat ihn gerade mal ein paar Stunden Zeit gekostet! Von daher werden wir für SLIME CITY MASSACRE das Beste aus Alt und Neu kombinieren: Wir werden Latexvorrichtungen und Puppen zusammen mit Greenscreen-Aufnahmen und anderen digitalen Techniken benutzen. Aber es wird natürlich keine schleimigen CGI Köpfe geben.

Das klingt doch sehr viel versprechend. Ich werde auf jeden Fall ein Auge auf “Slime City Massacre“ werfen und die DVD kaufen, sobald sie erhältlich ist. Weißt du schon, wann die Dreharbeiten beginnen werden?

Greg: Wie gesagt, das Ganze ist erst vor einem Monat ins Rollen gekommen. Ich hab bereits ein Drehbuch, mit dem ich sehr zufrieden bin, ein paar Skizzen und Poster und Special Effects und Musikdemos… aber für einen Filmdreh braucht man natürlich auch ein gewisses Budget und “Slime City Massacre“ ist ein ziemlich großes und anspruchsvolles Projekt im Lowbudget-Sektor. Ich nenne es gerne DAWN OF THE DEAD-TRIFFT-FRANKENHOOKER. Wir haben gerade erst unseren Investmentplan zusammengestellt und werden demnächst anfangen, ihn herumzuzeigen und hoffentlich Investoren an Land zu ziehen.

Ich möchte den Film in Eigenregie verwirklichen, ohne dass ein ausführender Produzent oder Vertreiber mir sagt, dass ich mein Skript ändern soll. Aber, wie du weißt, sieht’s für die Wirtschaft in den USA momentan ja ziemlich finster aus und dementsprechend schwer ist es natürlich, trotz unserer Begeisterung für dieses Projekt die benötigte Kohle dafür aufzutreiben. Auf der anderen Seite habe ich aber auch drei Bücher fertig, die im Laufe der nächsten zwei Jahre erscheinen werden, und das wird sicherlich auch dafür sorgen, dass viele Leute auf “Slime City Massacre“ aufmerksam werden.

Ich  drück auf jeden Fall schon mal die Daumen und hoffe, dass du bald weitere Investoren findest. Es wäre echt abgefahren, wenn der Streifen echt in die Tat umgesetzt werden könnte. Übrigens hab ich mich gerade ein bisschen an die “Grindhouse“ Filme aus dem letzten Jahr erinnert gefühlt, als du nämlich davon gesprochen hast, dass ihr für “Slime City Massacre“ die besten Elemente der Oldschool B-Movies und des modernen Filmdrehs verbinden werdet…

Denn obwohl ich gestehen muss, dass mich “Death Proof“ regelrecht zu Tode gelangweilt hat, war “Planet Terror“ definitiv einer der coolsten und am besten gemachten Splatterfilme, die ich seit Langem gesehen habe. Hast du den Streifen auch schon geguckt und glaubst du, dass sich der Erfolg eines solchen “Back To The Roots“ Splatterfilms auch positiv auf die Investorensuche für “Slime City Massacre“ auswirken wird? Wobei es natürlich dennoch gewagt ist, diese beiden Filme überhaupt in irgendeiner Art und Weise in Vergleich zueinander zu stellen...

Greg: Ich habe eine zwei Jahre alte Tochter und wenn ich mich tagsüber um sie kümmere und nachts schreibe, dann bleibt momentan einfach nicht viel Zeit um in Kino zu gucken. Dieses Jahr hab ich mir bisher nur SWEENEY TODD und RAMBO angeguckt und ich fand sie beide super. GRINDHOUSE hab ich bisher noch nicht geguckt und ich find’s auch ziemlich bescheuert, dass die beiden Filme separat auf DVD veröffentlicht wurden. Ich werd sie mir wohl reinziehen, sobald sie zusammen auf einer DVD erhältlich sind und man sie so gucken kann, wie es ursprünglich einmal geplant war.

Ich hab es solange wie möglich aufgeschoben, das Drehbuch zu SLIME CITY MASSACRE zu schreiben, weil mir stets bewusst war, dass dieses Projekt meine ganze Zeit in Anspruch nehmen wird, sobald erstmal die ersten Ideen zu Papier gebracht sind.

Zurzeit sind in Hollywood ja Remakes von Horrorklassikern aus den 80ern (oder älter) ziemlich angesagt. Angenommen Lionsgate oder irgendein anderes würde bei dir anklopfen und dir 10,000,000 US$ bieten, um ein Remake des originalen “Slime City“ zu drehen, würdest du das Angebot annehmen?

Greg: Solch ein Angebot könnte ich nicht ablehnen. Mal ehrlich, wer könnte das schon? Wie gesagt, ich habe eine zwei Jahre alte Tochter und meine lebenslange Vernarrtheit in alles, was mit dem Thema Horror zu tun hat, hat mich höchstens in den Schuldenturm gebracht und nicht etwa in ein Prunkschloss. Ich hätte es aber lieber, wenn mir jemand 10,000,000 US$ für SLIME CITY MASSACRE bieten würde, denn das ist der Film den ich wirklich machen und sehen will!

Wenn du einen Film mit solch einem Budget machen (oder neu auflegen) würdest, was würdest du ändern? Was würde dir solch eine große Summe erlauben, dass dir mit den kleinen Budgets, mit denen du bisher arbeiten musstest, verwehrt geblieben ist?

Greg: Zuerst einmal musst du, um solch ein Budget zusammenzukriegen, einige bekannte Namen in deinem Film mitspielen lassen und dafür geht dann auch gleich wieder die Hälfte des Budgets drauf! Dann musst du auch noch der Union beitreten und das kostet dich wieder eine Menge Geld. Und ehe du dich versieht, machst du effektiv nur noch einen Film für 2,500,000 US$. Aber trotz allem würde ich solch einem Deal ohne Nachzudenken zustimmen—JOHNNY GRUESOME ist übrigens wie gemacht dafür, mit einem Budget von 10,000,000 US$ verfilmt zu werden und es würde mich nicht überraschen, wenn das eines Tages sogar passieren würde.

Wenn das wirklich mal passieren würde, welchen Star würdest du dann als den “Headbanger aus der Hölle“, Johnny Gruesome, casten?

Greg: Die vier Hauptpersonen in JOHNNY GRUESOME sind allesamt Teenager, von daher würde ich für diese Rollen wohl irgendwelche Teenyhüpfer nehmen, die zur Zeit der Dreharbeiten gerade angesagt sind. Die bekannteren Namen würde ich mir für die Rollen der Erwachsenen aufheben, aber ich weiß beim besten Willen noch nicht, wen genau ich da verpflichten würde. Ich hab das Screenplay zu JOHNNY GRUESOME 1984 geschrieben, nachdem ich mit dem Drehbuch zu SLIME CITY fertig war und dann bin ich wieder mit ihnen vertraut geworden, als ich den Roman schrieb. Diese Figuren tummeln sich also schon gute 23 Jahre in meinem Kopf, von daher sind sie für mich wie echte Personen und nicht wie Schauspieler. In solch einem Fall hätte ich wirklich nichts dagegen, wenn einfach ein Produzent ankommen und mir sagen würde: “Du musst diesen oder jenen Star casten oder unser Deal ist geplatzt!“.
 

Greg's Romane: "Personal Demons" & "Johnny Gruesome"
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Neben deiner Tätigkeit als Filmemacher schreibst du auch Romane wie den mit dem preisgekrönten Gruselthriller “Personal Demons“ und die zuvor bereits angesprochene Zombiegeschichte “Johnny Gruesome“.  Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass du nicht nur Filme machen, sondern auch Romane schreiben möchtest?

Greg: Ich  habe drei Horrorfilme mit mikroskopische kleinem Budget gedreht: SLIME CITY, UNDYING LOVE und NAKED FEAR. In jedem dieser Filme steckt eine Menge harte Arbeit und Leidenschaft und ich bin sehr stolz auf jeden einzelnen von ihnen. Aber trotzdem hat keiner dieser Streifen eine Karriere im Filmbusiness für mich nach sich gezogen. Da ich aber schon immer ziemlich selbstbewusst in Hinblick auf mein schreiberisches Talent war, hab ich eines Tages einfach beschlossen, ein Drehbuch von mir, das nicht umgesetzt wurde, als Roman umzuschreiben. So ist aus THE FOREVER MAN mein erster Roman PERSONAL DEMONS geworden. Und dieses Buch ist das Beste, was ich bisher überhaupt gemacht habe. Es hat den “Anubis Award for Horror“ gewonnen, der von einem meiner Lieblingsautoren, nämlich T.W. Wright, vergeben wurde. Bisher ist PERSONAL DEMONS jedoch nur in sehr kleiner Auflage erschienen, von daher wissen die meisten Leute leider gar nicht, dass der Roman überhaupt existiert.

Auf Conventions sind sogar Leute zu mir gekommen und haben mir erzählt, dass PERSONAL DEMONS das beste Buch ist, das sie bisher gelesen haben. Wenn man so etwas hört, dann muss man einfach glauben, dass man auf dem richtigen Dampfer ist. JOHNNY GRUESOME ist bisher nur als Limited Edition Hardcover erschienen in handnummerierter und signierter 250er Auflage erschienen. Die Reviews sind allesamt hervorragend ausgefallen, aber ein kleiner Verlag wie Bad Moon Books hat nun mal kein Geld um ihre Bücher zu promoten. Da liegt es an den Autoren selber, Werbung zu machen. Also habe ich eine Rock CD mit Namen GRUESOME co-produziert, die auf dem Roman basiert, und ich habe außerdem zwei Onlinecomics in Auftrag gegeben, die auf dem New York City Horror Film Festival als bester Comicbücher ausgezeichnet wurden, sowie eine limitierte Maske herstellen lassen. Und dann habe ich auch noch ein Musikvideo mit Misty Mundae in der Hauptrolle gedreht.

Und nach all diesen Mühen hat sich ein Verlag namens Medallion Press die Rechte an dem Buch gesichert und sie werden es im Oktober landesweit (und vielleicht sogar weltweit) als Paperback veröffentlichen. Sie werden auch eine riesige Werbekampagne starten. So etwas ich für mich noch totales Neuland. Medallion Press haben sich außerdem auch die Rechte an PERSONAL DEMONS gesichert und sie werden das Buch im Oktober 2009 veröffentlichen. Außerdem haben sie das Vorkaufsrecht für den Roman, an dem ich zurzeit gerade arbeite. Also wer weiß? Vielleicht mach ich ja doch noch Karriere.

Wenn du das Schreiben eines Drehbuchs mit dem Schreiben eines Romans vergleichst, wo siehst du da die Hauptunterschiede? Und was von beiden ziehst du persönlich vor?

Greg: Drehbücher sind für mich sehr einfach zu schreiben. Ich habe bisher ein paar Drehbücher für andere Lowbudget Filmemacher geschrieben und dafür nur wenig Geld berechnet, da ich sie so schnell runterschreiben kann. Struktur, Charakterisierung, “Story Beats“… all das fliegt mir regelrecht zu. Romane zu Schreiben ist aber definitiv befriedigender. Dafür ist beim Filmemachen der Gesamtprozess, also nicht nur das Schreiben, spannender.

Könntest du dich jemals für nur eine dieser beiden Tätigkeiten (Schreiben und Filmemachen) entscheiden und die andere für immer aufgeben?

Greg: Wenn ich einen Roman schreibe, dann muss ich mir keine Sorgen um das Budget machen. Alles, was ich brauche, ist Zeit. Und ich kann während des Schreibens bei meiner Familie sein. Außerdem besteht dann immer noch die Chance, dass ich das Drehbuch nach Hollywood verkaufen und ein Drehbuch, das auf der Story basiert, schreiben kann. Innerhalb von einem Jahr kann ich einen neuen Roman anfangen, fertig stellen und an einen Verlag verkaufen—aber das bedeutet nicht, dass ich davon dann auch leben kann.

Auf der anderen Seite könnte ich auch einen Independent Horror Film drehen und mich zwei, drei oder sogar vier Jahre abmühen, ehe ich den Streifen fertig habe. Und dann weiß ich immer noch nicht, ob ich dafür überhaupt einen Vertrieb finde. Was meine persönlichen Erfahrungen angeht, so denke ich, dass ich immer noch die Vorzüge beider Tätigkeiten genießen kann, wenn ich hauptberuflich als Schriftsteller arbeite. Es gibt nicht viele Leute, die Romane schreiben UND Filme drehen können, von daher denke ich, dass sich—wenn ich lange genug lebe—all die harte Arbeit vielleicht sogar eines Tages auszahlen wird…
 

"Cheap Scares! - Low Budget Horror Filmmakers Share Their Secrets"
(Einleitung · Filmemachen · Slime City · Slime City auf DVD · Slime City Massacre · Greg's Romane · Cheap Scares!)

Jetzt ist eigentlich ein guter Zeitpunkt, um auf “Cheap Scares!” zu sprechen zu kommen, denn dieses neue Buch von dir vereint beide deine Leidenschaften, Schriftstellerei und Filmemachen, in wunderbarer Art und Weise. Denn bei diesem Buch handelt es sich um so etwas wie einen Leitfaden zum Drehen und Produzieren eines Lowbudget Horror Films. Wann hast du die Idee dazu bekommen, solch ein Buch zu schreiben und welche Geheimnisse des Filmemachens wirst du deinen Lesern preisgeben?

Greg: Ich hab schon oft mit der Idee gespielt, solch eine Art Anleitung zum Filmemachen zu schreiben, hab den Gedanken dann aber immer wieder verworfen, da es mir nach zuviel Arbeit erschien und ich einfach nicht genügend Freizeit habe. Dann hat mich ein befreundeter Autor, Nick Mamatas (dessen Novelle UNDER ONE ROOF gerade in Deutschland unter dem Titel UNTER MEINEM DACH erschienen ist), ermutigt, meine Ideen zumindest einmal grob niederzuschreiben. Und der erste Verleger, dem ich meine Idee vorgelegt habe, McFarland & Company, hat sich dann auch gleich die Rechte an dem Buch gesichert.

Die eine Hälfte von CHEAP SCARES! LOW BUDGET HORROR FILMMAKERS SHARE THEIR SECRETS basiert  auf meinen eigenen Erfahrungen und die andere Hälfte besteht aus detaillierten Interviews mit J.R. Bookwalter, Scooter McCrae, Roy Frumkes, Larry Fessenden und Brett Piper, sowie einigen aufstrebenden jungen Filmemacher, einem Anwalt aus der Unterhaltungsbranche, einem Vertreiber und dem Vizepräsidenten eines weiteren Vertriebs für Horrorfilme. Es ist ein sehr gründliches Buch, von dem ich glaube, dass es noch lange im Umlauf sein wird.

Wie hast du es denn geschafft, alle diese coolen Leute wie z.B. den “The Dead Next Door“-Regisseur J.R. Bookwalter oder den “Street Trash“-Drehbuchautor Roy Frumkes dazu zu bewegen, an deinem Buch teilzunehmen. Und wie verlief die Zusammenarbeit mit ihnen?

Greg: Ungefähr zwei Drittel der Leute, mit denen ich Interviews geführt habe, sind Freunde und Bekannte von mir und bei dem letzten Drittel hab ich einfach mal auf gut Glück angefragt. Wie bei dem Interview, das wir hier gerade führen, so sind eigentlich auch die meisten anderen Filmemacher sehr interessiert daran, über ihr Schaffen zu sprechen. Obwohl ich eine Horror Website namens Fear Zone (www.fearzone.com) betreibe, führe ich normalerweise keine Interviews.

Für CHEAP SCARES! hab ich mir einfach ein Diktiergerät gekauft und meinen Interviewpartnern mit meinen Fragen das Hirn zermatert! Ich hab mit jedem Teilnehmer mindestens drei Stunden lang telefoniert und dann eine halbe Ewigkeit damit verbracht, die Interviews abzutippen—und am Ende musste ich gut zwei Drittel des Materials rauskürzen, da das Buch sonst mindestens 1,000 Seiten umfassen würde! Es hat wirklich Spaß gebracht mit jedem einzelnen zu reden, aber ich freu mich besonders darauf, dass ich endlich Scooter McCrae getroffen habe. Wir haben uns viele Jahre lang in denselben Kreisen bewegt, haben viele gemeinsame Bekannte und als ich dann endlich mal mit ihm gesprochen habe, kam es mir vor, als ob er genauso verrückt ist wie ich. Aber neben all dem Abtippen von Interviews und Ansammeln von Fotos war es wirklich ein Mammutprojekt und ich werde bestimmt nie wieder irgendetwas in dieser Art machen. Ich habe aber immerhin mein Dreamteam an Horrorfilmemachern zusammenbekommen und das finde ich schon ziemlich cool.

Wenn du dir noch einen weiteren Interviewpartner wünschen dürftest (ganz egal wie berühmt), wen würdest du auswählen? Warum?

Greg: Ich würde den einzigen Mann wählen, von dem ich eine Absage bekommen habe: Frank Henenlotter! Frank legt sehr viel Wert auf seine Privatsphäre und das respektiere ich auch. Als ich ihn fragte, war er noch unentschlossen, da er gerade mit seinem neuen Film BAD BIOLOGY beschäftigt war. Er meinte, er würde das Interview machen, wenn der Film fertig ist, doch das wäre zu spät für meine Deadline gewesen. Aber nichtsdestotrotz ist er in dem Buch vertreten und zwar zum einen durch meine und Scooter McCrae’s Anekdoten. Und außerdem habe ich auch einige Fotos von FRANKENHOKER beigefügt, da ich u.a. den Schauspieler James Lorinz, sowie Stephen Biro, den Präsidenten von Unearthed Films, interviewt habe.

Und neben Frank Henenlotter gibt es noch eine weitere Person, die ich sehr gerne dabei gehabt hätte: Don Dohler, der leider letztes Jahr verstorben ist. Sein Magazin CINEMAGIC und einige seiner Filme wie THE ALIEN FACTOR haben meine Generation wirklich geprägt. Er hatte bereits zugestimmt, doch dann ist er tragischerweise verstorben. Sein Sohn Greg hat mir aber erlaubt, einige Fotos von ihm zu benutzen und einige meiner Interviewpartner sprechen sehr positiv über ihn.

Ich bin ja schon ein ziemlicher Fan solcher Do-It-Youself Lowbudget Film-Bücher… zwei meiner absoluten Favoriten sind “Make Your Own Damn Movie!“ und “Rebel Without A Crew“. Da stellt sich mir natürlich die Frage, was mir “ Cheap Scares!“ noch beibringen kann, das ich nicht eh schon von Lloyd Kaufman, Robert Rodriguez und Co gelernt habe?

Greg: Ich fand das Rodriguez Buch sehr unterhaltsam, allerdings ließt es sich mehr wie eine Fantasiegeschichte, gerade in heutigen Zeiten. CHEAP SCARES! nimmt alle Aspekte des Lowbudget Filmemachens unter die Lupe, angefangen beim Formen von kreativen Partnerschaften bis hin zum Vermarkten des fertigen Films. Das Buch nimmt auch auf die rechtliche Seite des Filmemachens und die Businessdinge Rücksicht und legt besonderes Augenmerk auf zwei Aspekte, von denen ich glaube, dass sich die meisten Lowbudget Filmemacher damit schwer tun: Storytelling und Marketing.

Ich widme ein ganzes Kapitel dem Drehbuchschreiben und im Anschluss daran diskutiere ich diesen Punkt ausführlich mit meinen Interviewpartnern. Ein weiteres Kapitel dreht sich rund um mein Interview mit einem Anwalt aus der Entertainmentbranche und wieder andere Kapitel haben Interviews mit einem Filmvertreiber und einem Marketingleiter zum Mittelpunkt. Und abgerundet wird das ganze durch wirklich kompetente und interessante Filmemacher, die ihre Karrieren Revue passieren lassen und viele hilfreiche Tipps und Tricks verraten.

Ich denke, dass CHEAP SCARES! ein sehr inspirierendes Buch ist und trotzdem betrachte ich nicht alles durch die rosarote Brille, nur um mehr Exemplare verkaufen zu können. Der Markt ist gerade in letzter Zeit nun einmal unglaublich überladen geworden, da so viele Leute ihre eigenen Mini-DV Filme drehen und die Vertreiber keinen Cent mehr für solches Zeug ausgeben. Ich schildere die Situation so wie sie ist und das tut zurzeit sonst niemand, der ähnlich geartete Bücher verfasst.

Ich  weiß was du meinst. Denn obschon ich z.B. “Rebel Without A Crew“ wirklich supercool fand, hast du recht, dass es sich fast schon eher wie ein Märchen als wie ein Sachbuch ließt. Denn wenn man mal ehrlich ist, dann ist höchstens einem aufstrebenden Filmemacher unter Tausenden eine ähnliche Karriere beschert wie Robert Rodriguez…

Greg: Es war damals auch eine ganz andere Zeit. Indie Filme waren gerade total angesagt und es fühlte sich an als ob diese Typen alles auf die Beine stellen könnten. Für ungefähr fünf Jahre hatten wir so etwas wie ein weiteres Goldenes Zeitalter des Lowbudget Filmemachens, sowohl in Hinblick auf die Qualität der Filme als auch auf die innovativen Ideen, mit denen die Indie Filmer ihre Streifen finanziert hatten. Aber früher oder später haben die großen Corporations auch das “Independent Filmmaking“ in die Finger bekommen. Heutzutage gibt es keine Profession im Filmbusiness mehr, die auch nur annähernd so unabhängig ist, wie das Schaffen als Micro-Budget Horror Filmemacher.

Wenn die Situation momentan wirklich so finster aussieht, warum sollten die Horrorfans dieser Welt dann nicht einfach den Kopf in den Sand stecken, sondern vielmehr ihre Kameras in die Hände nehmen und ihre eigenen Filme drehen, auch wenn das bedeutet, dass sie einen großen Teil ihrer Freizeit und ihrer Ersparnisse dafür opfern müssen—und das obwohl  ihnen sehr wohl bewusst ist, dass sie wahrscheinlich nicht einmal die paar hundert oder tausend Dollar wieder reinkriegen, die sie für eine neue Kamera und ein Mikro ausgegeben haben… worin liegt der Zauber und die Magie des Independent Films?

Greg: Ich haben einen Jungen namens Justin Channell interviewt. Er hat seinen ersten Film, eine Vampirkomödie mit dem Titel RAISING THE STAKES, im zarten Alter von 16 Jahren gedreht—mit einem Budget von gerade einmal 110 US$! Seinen zweiten Film, eine angesagte Lowbudget Zombie Komödie namens DIE AND LET LIVE, hat er für 1,000 US$ gedreht als er 17 oder 18 war—und dieser Film wurde von einem Vertrieb gekauft und veröffentlicht! Er hat es entgegen aller Wahrscheinlichkeiten geschafft, weil er einen guten, lustigen und vor allem originellen Film gemacht hat.

Ich betone immer und immer wieder in CHEAP SCARES, dass es für Lowbudget Horror Filmemacher nur eine Möglichkeit gibt, erfolgreich zu sein: indem sie gute Filme machen. Und deshalb widme ich mich auch so intensiv  dem Thema Storytelling, da es einfach der Schlüssel zu jedem guten Film ist. Ein schlechter Regisseur kann mit einem guten Script im Rücken immer noch einen halbwegs ansehnlichen Film auf die Beine stellen, aber selbst der beste Regisseur kann aus Scheiße kein Gold machen.

Da stimm ich dir voll und ganz zu. Ich denke schon, dass ich mir relativ viele Filme reinziehe und ich kann mich an kaum einen erinnern, der trotz schlechter Story und langweiligen Charakteren halbwegs unterhaltsam ausgefallen ist… und das gilt für Multimillionendollar-Produktionen wie z.B. den unterirdischen “Ultraviolet“ ebenso wie für selbstgedrehte Kurzfilme auf Youtube…

Von daher finde ich es wirklich hilfreich, dass du so viel Augenmerk auf den Punkt “Storytelling“ legst. Mit Programmen wie “After Effects“ & Co kann heutzutage fast jeder einen realistischen Kopfschuss oder ein spektakuläres Lichtschwertduell zuhause am Computer darstellen, aber eine kohärente und fesselnde Geschichte zu Schreiben ist eine komplett anderes Paar Schuhe…

Greg: Ganz klar, viele Filmemacher widmen leider demjenigen Aspekt, der eigentlich die Grundlage des ganzen Unterfangens sein sollte, am wenigsten Aufmerksamkeit. Wen interessiert es schon wenn irgendjemand ein kilometergroßes Mutterschiff auf seinem Laptop kreieren kann? So was schaut man sich an und wenn nichts Weiteres passiert, dann wird’s nach fünf Sekunden auch schon wieder langweilig.

Das Gute daran ist natürlich, dass es so genügend Leute gibt (mich eingeschlossen), die sich mit dem Erwerb von CHEAP SCARES! wirklich einen Gefallen tun würden. Kannst du schon einen konkreten Veröffentlichungstermin nennen?

Greg: Ich hab das Buch vor ein paar Monaten fertig gestellt und im Hause McFarland wird es nun gerade Korrektur gelesen. Es wird ein RIESIGES Buch mit vielen Fotos und Beispiel-Drehbuchseiten. Mein Verleger hat mir noch keinen Veröffentlichungstermin genannt, aber ich habe ihnen vorgeschlagen, dass es klug wäre, wenn sie ihren Nutzen aus der Promotionkampagne ziehen würden, die Medallion im Oktober für JOHNNY GRUESOME vom Stapel brechen werden. Aber natürlich kennen sie sich in diesem Business sehr viel besser aus als ich, also werden sie so oder so den bestmöglichen Termin wählen, um das Buch zu veröffentlichen. Das Beste an dem Ganzen ist, dass McFarland’s Bücher sehr lange im Umlauf bleiben und in Bibliotheken und Büchereien auf der ganzen Welt anzufinden sind.

Das hört sich doch super an. Spätestens jetzt müsstest du eigentlich das Interesse von zumindest einigen unserer Leser an deinen Büchern und Filmen geweckt haben. Was ist denn der beste Weg, um in Bezug auf deine Projekte auf dem Laufenden zu bleiben?

Greg: Ich habe eine Website namens www.slimeguy.com. Von da aus führt auch ein Link zu www.johnnygruesome.com, wo man die Comics lesen, das Musikvideo gucken und einige Songs von der GRUESOME CD anhören kann. Ich schicke auch einen monatlichen Newsletter raus, The Gruesome Gazette, der reich gespickt ist mit allen News zu meinen Veröffentlichungen und Filmen. Fans können sich auf jeder der beiden oben genannten Seiten  für den Newletter anmelden. The Gruesome Gazette ist mit Sicherheit der einfachste Weg um über meine aktuellen Projekte auf dem Laufenden zu bleiben.

Wenn ich mich nicht vertan hab, dann plaudern wir jetzt schon seit fast dreieinhalb Stunden. Es wär also durchaus an der Zeit, langsam zum Ende zu kommen. Zum Abschluss würd es mich noch einmal interessieren, ob es noch eine Frage gibt, die du schon immer mal beantworten wolltest, jedoch noch nie in einem Interview gestellt bekommen hast.

Greg: Die Frage, die ich wirklich liebend gerne beantworten würde, lautet: “Wo warst du als Amerika’s Alptraum endlich zu Ende ging und George Bush das Präsidentenamt niederlegen musste?“ Aber leider steht die Antwort auf diese Frage noch in den Sternen…

Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast, Greg! Gibt’s noch irgendwelche abschließenden Worte, die du gerne noch loswerden möchtest?

Greg: Leider sind die einzigen Worte, für die ich berühmt bin: “Du verrückter Bastard!“.

"Slime City" DVD on Shock-O-Rama
 

Homepage: Slimeguy.com (Homepage) ; Myspace.com/slimeguy (MySpace) ; Fearzone.com (Fanzine)
Email: greg(at)slimeguy.com (Greg)

Fragen: März 2008 by Tobi
Antworten
: März 2008 by Greg Lamberson
Übersetzung: März 2008 by Tobi

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