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Live ¬ Lord Vicar "Fear No Pain Tour 2008" Ort: Hamburg, GER Wenn Peter Vicar, seines Zeichens Gitarrist der großartigen und leider viel zu früh verschiedenen Finnen-Doomer Reverend Bizarre, solch illustre Musiker wie den Centurion's Ghost-Drummer Gareth Millsted und den ehemaligen Count Raven- und Saint Vitus-Sänger Christian "Chritus" Lindersson um sich schart, dann kann dabei nur eines rauskommen und zwar Doom Metal vom Allerfeinsten.
Dass die Mucke dieses namhaften Quartetts, welches durch Jussi "Iron Hammer" Myllykoski am Bass komplettiert wird und unter dem Namen Lord Vicar sein Unwesen treibt, aus der Konserve bestens funktioniert, dass hat die Band nicht nur mit der tollen Debütsingle "The Demon Of Freedom" eindrucksvoll unter Beweis gestellt, sondern auch mit dem soeben bei The Church Within Records erschienenen ersten Full Length-Album, welches sich "Fear No Pain" nennent und u.a. auch die beiden vorab auf MySpace veröffentlichten Monsterhymnen "Born Of A Jackal" und "The Last Of The Templars" beinhaltet. Erstklassige Songs schreiben können Lord Vicar somit also auf alle Fälle. Doch wie sieht es mit der live-haftigen Umsetzung aus? Die Antwort auf diese Frage wurde mir und schätzungsweise 15 weiteren zahlenden Gästen am letzten Montag im Marx in Hamburg in Form eines wahrlich brachialen Doom Metal-Orkans regelrecht vor den Latz gedonnert.
Eingeleitet wurde der kultige Abend von The Deep Blue, den aus England stammenden Labelmates von Lord Vicar. Das Trio spielte einen interessanten, nahezu monolithischen Slow Motion-Sound, der weitestgehend ohne Gesang auskam und durchaus seine Momente besaß. Immer wieder wurden den hypnotisch wiederkehrenden Riffs kleine, aber feine Melodien untergewoben und nicht selten ließen die schweren Riffs den Kopf wie in Trance vor und zurück schwenken. Insgesamt ging es mir dann aber doch einen Tick zu monoton und gleichförmig zu, als dass ich bei The Deep Blue völlig aus dem Häuschen gewesen wäre. Schlecht waren die drei Engländer keinesfalls, ein richtiger Oberknaller wie der nachfolgende Headliner waren sie aber auch nicht. Denn gleich von Anfang an legten Lord Vicar mit einer tonnenschweren Doom Metal-Granate nach der anderen los und brachten die anwesenden Fans auf Anhieb in Wallung. Ob schwer und schleppend wie bei "Spartan" oder flott und eisenhart wie bei "A Man Named Horse", hier wurde gute 70 Minuten lang True Doom in Reinkultur vorgetragen. Peter schmiedete wie ein Fels in der Brandung seine wuchtigen Riffs, Gareth peitschte die Band mit knalligen Rhythmen unaufhaltsam vorwärts, Jussi ließ mit seinem Bass den Boden förmlich erzittern und Chritus begeisterte das Publikum mit fantastischem Gesang und jeder Menge irrer Posen.
Das Zusammenspiel der Bandmitglieder ging zwar nicht immer 100% ruckelfrei von statten, was aber auch nicht wirklich verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass Lord Vicar an besagtem Abend gerade mal ihr drittes Konzert überhaupt zum Besten gaben. Mit ein paar mehr Gigs auf dem Buckel wird die Band sicherlich noch souveräner und stärker auftrumpfen als sie es an diesem Abend ohnehin schon tat. So oder so soll diese kleine Anmerkung aber keinesfalls Genörgel interpretiert werden, denn es steht definitiv außer Frage, dass Lord Vicar in Hamburg einen wirklich bärenstarken und enorm kultigen Auftritt hingelegt hatten, bei dem sie mit ihrer sympathischen Art und ihrer authentischen Rock'n'Roll Attitüde ebenso punkten konnten wie mit ihren durchweg erstklassigen Songs.
So ließen es sich die lauthals johlenden Fans dann auch nicht nehmen, die vier Prediger des wahren Doom Metals im Anschluss an den regulären Teil der Show auf die Bühne zurückzuholen und eine Zugabe einzufordern, die auch prompt in Form des gewaltigen Saint Vitus Covers "Plague Of Men" und des stimmigen Singletracks "Running Into A Burning House" erbracht wurde. Ein toller Schlussstrich unter einen wirklich gelungenen Konzertabend, den selbst die dürftigen Rahmenbedingungen wie der eher suboptimale Sound im Marx, die wenigen Besucher und der schlecht gelegene Termin mitten in der Woche nicht im Geringsten trüben konnten!! Lord Vicar's MySpace:
www.myspace.com/lordvicar by Tobi (18.11.2008) |