Fanzine


Home
News
Reviews
Interviews
Live
Links
Specials
Gästebuch
Forum
MySpace
Kontakt


Records
Mailorder


Visit our friends & allies!!

The Miskatonic Foundation

Bloodzine

Ancient Arts Metalwear

Metal Supremacy Records
 

  Live

¬ Portrait & Enforcer "Demons and Devils Tour 2009"


Ort: Kiel, GER (Pumpe/Roter Salon)
Datum: 23.02.2009
Bands: Rezet ; Inner Axis ; Enforcer ; Portrait


Allzu oft kommt es ja nicht vor, dass hier bei uns in Kiel mal ein richtig kultiges Heavy Metal-Konzert steigt, von daher hab ich mich natürlich gefreut wie ein Schneekönig, als ich erfahren hab, dass die schwedischen Speed Metal-Freaks Enforcer und ihre okkulten Landsmänner von Portrait auf ihrer "Demons and Devils" Europatour auch einen Zwischenstop im Norden einlegen und hier in Kiel in der Pumpe zocken werden.

   

Letzten Monat, genauer gesagt am 23.02.2009, war's dann soweit und, soviel sei vorweg genommen, der Abend hätte genialer kaum sein können. Mit über 80 zahlenden Gästen war der Rote Salon für ein Konzert unterhalb der Woche sehr gut gefüllt und die wild feiernden Fans sorgten von Anfang an für reichlich ausgeflipptes und ausgelassenes Konzert-Ambiente.

   

Daran hatten sicherlich auch die Schleswiger Oldschool Thrasher Rezet ihren Anteil, legten die vier Jungs aus dem Norden doch einen astreinen Start hin und brachten die Meute mit ihrem schnörkellosen und direkt nach vorne losgehenden Thrash der alten Schulen ordentlich in Bewegung. Vor allem die teutonischen Krawallkommandos der 80er, wie z.B. Sodom, Tankard, Darkness und Living Death, scheinen den Sound des blutjungen Vierers (das Durchschnittsalter der Band liegt bei gerade einmal 17 Jahren) sehr geprägt zu haben und so konnte man sich zu den hammerharten Eigenkompositionen ebenso gepflegt die Rübe abschädeln wie zu dem kultigen Violent Force-Cover "Dead City", mit dem der Auftritt fulminant beendet wurde. Beide Daumen hoch gibt's übrigens nicht nur für die Musik der Jungs, sondern auch für ihr Auftreten und Aussehen... Spandexhosen, Lederjacken, Nietengürtel, wehende Matten und dazu noch Shirts von Megadeth, Violent Force und Mercyful Fate, ohne Scheiß, da fühlte man sich fast, als wäre man in eine Zeitmaschine gestiegen und hätte die Uhr 25 Jahre zurückgedreht... Rezet waren für mich ganz klar die Überraschung des Abends, da ich von dieser Band vorher echt noch nie was gehört hatte und ihr furioses 80s-Gedonner mich daher gleich zu Beginn geplättet hat wie der wuchtige Einschlag einer Abrissbirne.

   

Die Kieler Lokalmatadore Inner Axis konnten da leider zu keiner Sekunde mithalten, war diese Band für mich doch wirklich der Innbegriff von Durchschnittlichkeit. Alles kam irgendwie ganz solide und ok rüber, die nötigen Ecken und Kanten, die einer Band ihr eigenes Gesicht geben, fehlten aber völlig. Der in mittleren Lagen angesiedelte Gesang klang ausdruckslos durch den Raum und die stark von Iron Maiden beeinflussten Power Metal-Nummern blieben zumindest bei mir kaum eine Minute im Ohr hängen und waren schon wieder vergessen ehe der letzte Ton überhaupt verklungen war. Passend dazu war auch die Präsentation der Band entsprechend farblos und blutleer... in schlichte schwarze T-Shirts gekleidet zockten die fünf Kieler ihren Set routiniert aber wenig mitreißend herunter und schafften es leider nicht mal in Ansätzen, den Laden so zum Kochen zu bringen, wie zuvor Rezet oder danach die beiden schwedischen Heavy Metal-Wirbelwinde Enforcer und Portrait. Tut mir leid, aber Inner Axis waren an diesem Abend echt nicht mein Fall.

   

Sollte sich in den vorangegangenen 45 Minuten bei irgendjemandem ein wenig Langeweile breit gemacht haben, so war selbige im Nu verflogen, sobald Enforcer die Bühne betraten... oder besser gesagt, sobald Enforcer auf die Bühne stürmten. Vom ersten Moment an, da die jungen Schweden in die Saiten griffen und auf die Felle eindroschen, wurde ein wahrhaftiger Speed Metal-Orkan entfacht, der mit ordentlich Dampf durch den Roten Salon fegte und kaum jemanden stillstehen ließ. In bester Tradition von alten Helden wie Jaguar, Raven, Anvil oder Savage Grace wurden sich messerscharfe Twin Guitar-Duelle geliefert, galoppierende Rhythmen eingezimmert und trommelfell-erschütternde Screams aus den Lungen gepresst. Voller Elan und Spielfreude rockte die Band als gäbe es kein morgen und brachte mit durchweg überragenden Speed Metal-Krachern wie "Mistress From Hell", "Speed Queen" oder "Scream Of The Savage" die Stimmung regelrecht zum Überkochen. Ganz klar, Enforcer sind zurzeit eine der besten neuen Underground-Bands dieses Planeten und in der Pumpe haben sie sich in absoluter Bestform präsentiert.

   

Da hatten die ebenfalls aus Schweden stammenden Headliner des Abends, Portrait, natürlich keinen leichten Stand, denn wenn man nach solch einem Knaller auf die Bühne muss, dann braucht es schon einen echten Überflieger, um die hart am Siedepunkt befindliche Stimmung zu halten. Doch Portrait wären nicht Portrait, wenn sie solch ein Kunststück nicht zu vollbringen im Stande wären und so legten auch sie einen einfach nur wahnsinnigen Auftritt hin, der dem Gig von Enforcer in nichts nachstand. Der düster-okkulte Classic Metal der fünf Maniacs aus dem Ikea-Land fand sofort Anklang bei den immer noch aufgebrachten Fans und so wurde zu obskuren Ohrwürmern wie "A Thousand Nightmares", "Beware Of Demons" oder auch dem völlig irren Kiss-Cover "Love Gun" geheadbangt und gefeiert was das Zeug hielt.

   

Haare wedelten umher, Fäuste wurden in die Höhe gereckt und "Portrait, Portrait" Sprechchöre schallten durch die Luft... wie auch schon für Enforcer, so entpuppte sich der Zwischenstop in der Pumpe auch für die zweite schwedische Band des Abends als Triumphzug auf ganzer Linie. Ein Umstand, der vor allem auch deshalb doppelt glücklich stimmt, da viele Fans sicherlich etwas skeptisch waren, ob der neue Frontmann Per Karlsson, mit dem sich Portrait auf dieser Tour erstmals auch außerhalb ihres Heimatlandes präsentierten, die großen Fußstapfen seines Vorgängers Philip Svennefelt wirklich ausfüllen kann. Wer die Band jedoch auf der "Demons and Devils" Tour live erleben durfte, der wird mir zustimmen, dass der gute Herr Karsson seinen Job in ausnahmslos allen Belangen nahezu perfekt gemacht hat und stimmlich, optisch und performance-technisch wie die Faust auf's Auge zum Rest der Truppe passt!! Klare Sache, auch dieser Auftritt war ganz großes Heavy Metal-Kino und wer auch immer auf Bands wie Mercyful Fate, Running Wild und Judas Priest steht, der wird definitiv auch Portrait lieben!!

   

Ein großes Lob gebührt neben den Musikern natürlich auch dem Team der Pumpe und vor allem den Damen und Herren von Iron Kodex Records und Heavy Artillery Records, ohne die dieses fantastische Konzert nicht möglich gewesen wäre. Ich jedenfalls hatte bei viel Bier und noch viel mehr Metal einen wirklich hammermäßig coolen Abend und kann's jetzt schon kaum abwarten, Enforcer und Portrait im Sommer auf dem Headbangers Open Air erneut abfeiern zu können!!

   

Portrait's MySpace: www.myspace.com/portraitmetal
Enforcer's MySpace: www.myspace.com/enforcerswe
Inner Axis' MySpace: www.myspace.com/inneraxis
Rezet's MySpace: www.myspace.com/rezetband
Iron Kodex Records' Homepage: www.ironkodex.de
Heavy Artillery Records' www.heavyartillery.us

by Tobi (14.03.2009)

¬