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¬ Rock & Wrestling '07


Ort: MS Stubnitz (Hamburg, GER)
Datum: 15.12.2007
Wrestler: Nik Neandertal ; The One And Only ; The Green Bastard ; Petra Preiswert ; Yoko Kamkazi ; Tali Barbie ; Muhfumba ; Nat The Cat ; Bento III ; Looney Lobster ; Supermann ; Heidi Hitler ; etc
Bands: Muttersöhnchen ; Chung ; Das Ohlsen-Syndrom ; Reverend Beat-Man


EINLEITUNG

Hin und wieder ist mir das Schicksal dann doch sehr wohl gesonnen, so z.B. wenn es den nichts ahnenden Blick meines kleinen Bruders Martin beim sorglosen Plattenstöbern in einem 2nd Hand Laden in der Hamburger Sternschanze auf einen überaus kultigen Flyer mit der Aufschrift "Rock & Wrestling" fallen lässt. Denn hätte Martin den besagten Werbezettel nicht zufällig in die Hand genommen und hätten wir nicht noch spontan am selben Abend beschlossen, uns gleich in der darauf folgenden Woche Karten für dieses vielversprechend-verrückte Spektakel zu sichern, so hätten wir zweifelsohne einen der coolsten Events des Jahres verpasst!!

So jedoch waren wir bestens gewappnet, um am 15.12.07 an Bord der MS Stubnitz zu gehen und uns die halbe Nacht lang trashiges Amateur-Catchen vom Feinsten reinzuziehen.

     

Die eigentliche Veranstaltung ging zwar erst mit über einer Stunde Verspätung los, da die Atmosphäre im Schiffsinneren aber auch vor den Kämpfen schon supergut war und es außerdem Bier zu vernünftigen Preisen (3 Euro für 0,5 Liter), sowie stimmige Konservenmucke und einen coolen Ansager im Südstaaten-Look gab, verging die Wartezeit wie im Flug und dem Gelingen des Abends wurde nicht der geringste Abbruch getan!!

Wie in einem kultigen Actionfilm mit Van Damme in der Hauptrolle drängten sich die aufgebrachten Massen um den im Bug des Schiffes aufgebauten Wrestlingring (ohne Übertreibung wahrscheinlich eine der coolsten Locations, die man für solch einen Event überhaupt hätte finden können) und verbreiteten eine ausgelassene Partylaune, wie man sie kaum in Worte kleiden kann. Es wurde getanzt, gejohlt, getrunken und gefeiert bis zum Umfallen und trotz der wilden, aufgebrachten Stimmung blieb der Event die ganze Nacht lang total friedlich und alle Leute, die wir getroffen hatten, waren super nett und einfach nur unheimlich gut drauf!!

     

Und das war erst der Anfang!! Denn als die Action auch innerhalb des Ringes endlich losging, gab es endgültig kein Halten mehr.

TAGTEAM: Nik Neandertal & The One And Only vs. Green Bastard & Petra Preiswert

Als erstes Match des Abends stand ein wüster Tagteam-Fight auf dem Programm, in welchem es der Kämpfer der Liebe, Nik Neandertal, und sein maskierter Compadre The One And Only mit dem ebenfalls vermummt auftretenden Green Bastard und dessen protziger Partnerin Petra Preiswert aufnehmen mussten. Da letztere jedoch erst später dazu stieß, ging's dem grünen Lucha Libre erstmal kräftig ans Leder und er musste jede Menge herbe Treffer einstecken, ehe ihm seine Mitstreiterin dann doch noch zur Hilfe geeilt kam. Zusammen konnten sich Herr Bastard und Frau Preiswert zwar noch einmal aufbäumen und einiges an Gegenwehr leisten, letzten Endes jedoch konnten sie dem wilden Ansturm ihrer Kontrahenten nicht standhalten, so dass das Team Neandertal/Only den ersten Sieg des Abends davon trug.

     

HANDICAP: Muhfumba vs. Tali Barbie & Yoko Kamikazi

Und nicht minder abgedreht ging die Show auch weiter, denn im zweiten Kampf hatte Muhfumba, der hünenhafte Voodoopriester aus dem schwarzen Herzen Afrikas, eine wirklich harte Nuss zu knacken. In einem Handicap-Match voller List und Tücke stand er der vollbusigen Selbstmordattentäterin Tali Barbie und der Samuraischwert schwingenden Geisha Yoko Kamikazi gegenüber.

Allerlei unfairen Tricks und Kniffen sei Dank haben die beiden exotischen Damen dem afrikanischen Koloss alles abverlangt, wenn's jedoch hart auf hart kommt, so können es weder Dynamitstangen noch Ninjasterne mit der schwarzen Magie eines Voodoozauberers aufnehmen und so mussten Yoko und Tali dann am eigenen Leib erfahren, wie schmerzhaft es sein kann, sich mit einem Wrestling-Giganten wie Muhfumba anzulegen.

MAIN EVENT: Bento III vs. Looney Lobster

Wer nach dieser vernichtenden Ringschlacht jedoch gedacht hat, das Highlight der "Rock & Wrestling"-Nacht bereits gesehen zu haben, der sah sich schnell eines besseren belehrt!! Denn im spektakulären Hauptkampf des Abends kam es nun zu einem Aufeinanderprallen zweier absoluter Titanen. Zum einen wäre das Bento III, der tonnenschwere Kampfroboter aus dem Weltall. und zum anderen Looney Lobster, der atomar verseuchte Riesenhummer aus der Elbe!! Diese zwei Riesenmonster gaben wirklich alles und nachdem der Looney Lobster immer wieder mit seinem Spezialmanöver, dem eingesprungenen Doppelscheerenschlag, auf den rauchenden Roboter eingetrümmert und ihm Beule um Beule verpasst hatte, schien es schon fast so, als stünde der Sieger dieses Wahnsinnsduells bereits fest.

     

Unglücklicherweise kam dann jedoch urplötzlich ein merkwürdiger Nikolaus in den Ring gestiefelt, der sich nach dem Ablegen seines falschen Bartes und seiner roten Jacke prompt als eine attraktive junge Frau im glitzernden Cyberdress entpuppte. Und schon war klar, dass dies nichts Gutes für den Lobster bedeuten konnte. 

     

In ihrem Sack hatte die hundsgemeine Nikoläusin nämlich ausgerechnet eine neue Batterie, sowie zwei riesige Messer- und Gabelarme versteckt, die sie dem ziemlich demolierten Bento III auch gleich anmontierte. Mit Hilfe dieser Powerupgrades hatte der Killerandroide dann natürlich leichtes Spiel und so lag der tapfere Mutantenhummer wenig später bereits regungslos am Boden. Da halfen dann auch die lauthalsen Anfeuerungsrufe der aufgebrachten Fans nichts mehr... die Schale des Looney Lobsters war geknackt und das Match entschieden. Zum Unmut der "Schiebung! Schiebung!" rufenden Zuschauer hat die moderne Technik der Evolution an diesem Abend einmal mehr ein Schnippchen geschlagen.

PROMO: Heidi Hitler

Die Metalltrümmer und Krustenbrocken des vorangegangenen Schlachtfestes waren noch nicht einmal gänzlich aus dem Ring entfernt worden, da erschien auch schon die zweifelsohne kontroverseste Kämpferin in der Geschichte des "Rock & Wrestling" auf der Bildfläche: Heidi Hitler. Doch anstatt wie gewohnt die Fäuste zu schwingen und kräftig Arschtritte zu verpassen, nutzte die bärtige Wuchtbrumme vielmehr die Gelegenheit, um ihren Ausstieg aus dem aktiven Wrestling-Geschehen zu verkünden.

        

Sie habe nämlich, laut eigener Aussage, genug von all der Gewalt und all dem Blutvergießen und wolle fortan lieber singen und tanzen. Ihre Aufforderung "Wollt ihr den totalen Tanz?" wurde vom Publikum jedoch prompt mit Buh-Rufen quittiert und als sie dann auch noch angefangen hat, in schallender Lautstärke deutsche Weihnachtslieder zu schmettern, war das Maß endgültig voll und der Moderator kam geschwinden Schrittes in den Ring geeilt, um der stimmgewaltigen Walküre einen kräftigen Kinnhaken zu verpassen.

BATTLE ROYAL: Alle gegen alle

Damit war dann auch gleich der Startschuss gelegt für eine völlig irre Battle Royal, bei der zum Abschluss noch einmal so ziemlich alle Wrestler des Abends nach und nach in den Ring kamen und sich eine total verrückte Massenschlägerei lieferten!! Irgendwann stieß dann auch noch Superman dazu, der den Veranstaltern im Frühjahr einen ganzen Batzen Geld gekostet hatte, da sie sein (geschütztes) Logo unwissenderweise einfach mit auf den Flyer gepackt hatten und dafür prompt rechtlich belangt wurden. Klar, dass der olle Supermann mit solch einem Background alles andere als einen leichten Stand hatte und so avancierte er auch gleich zum Primärziel sämtlicher anderer Catcher im Ring.

     

Diese mussten jedoch sehr bald feststellen, dass mit dem Mann aus Stahl nicht leicht Kirschen essen ist und so gelangt es dem gescholtenen Helden fast schon spielend, Angreifer um Angreifer abzuwehren. Und selbst Nik Neandertal's tollkühner Sturzflug vom obersten Ringseil konnte den übermenschlichen Besucher vom Planeten Krypton nicht in die Knie zwingen.

     

Da musste dann schlussendlich schon, nachdem alle anderen Kämpfer niedergeschmettert wurden, das kesse Nummerngirl, das uns zuvor nur passiv durch den Abend begleitet hatte, die Sache selbst in die Hand nehmen und Superman mit einem Bombardement aus gezielten Schlägen und Tritten auf die Bretter schicken.

Als Belohnung für ihren kampfesmutigen Einsatz wurde dem Nummerngirl im Anschluss an ihren Triumph auch gleich der Championship-Gürtel überreicht und so ein kultiger Schlussstrich unter einen einfach nur supercoolen Abend gesetzt!!

     

FAZIT:

Wie ihr vielleicht schon rausgelesen habt, standen beim "Rock & Wrestling" ganz klar der Spaß und die Show an erster Stelle. Wer also während der Kämpfe sportliche Höchstleistungen erwartet hat, der ist sicherlich nicht wirklich auf seine Kosten gekommen. Zwar haben sich hin und wieder auch einige richtige Wrestling-Manöwer wie Bodyslams und sogar Piledriver zwischen das wüste Gekloppe gemischt, insgesamt ging's im Ring jedoch in erster Linie einfach nur wild und chaotisch zu...

Und das ist auch gut so, denn gerade hierdurch bekam die Veranstaltung einen herrlich trashigen, ungezwungenen und lockeren Charme, der sofort auf die Zuschauer übergesprungen ist und zu super Stimmung und perfekter Partylaune führte.

     

Neben den kultigen Akteuren, die sich mit ihren tollen Gimmicks und Kostümen wirklich jede Menge Mühe gegeben haben, sowie dem coolen Kommentator und dem feschen Nummerngirl, muss ich außerdem auch noch der Band Muttersöhnchen ein großes Kompliment aussprechen!! Dieses verrückte Duo, das nur aus einem Keyboardspieler und einem Schlagzeuger besteht, hat den ganzen Abend lang die Kämpfe und Zwischensequenzen mit total stimmigen, martialischen Beats und Rhythmen untermalt und mit diesem spartanisch-genialen Klanggerüst einen nicht unerheblichen Beitrag zur einzigartigen Atmosphäre dieses ausgeflippten Trash-Spektakels beigetragen!!

Zu den anderen Bands (Chung, Das Ohlsen-Syndrom und Reverend Beat-Man), kann ich leider nichts sagen, da ich die ganze Zeit über so  im Wrestling-Fieber war, dass ich schlichtweg erst kurz vor Schluss überhaupt mitbekommen hab, dass sich weiter vorne im Bug auch noch eine andere Bühne befunden hat, auf welcher nebenher auch noch Livebands auftreten... na ja, sei's drum, denn auch so war der Abend absolut super und ein Highlight auf ganzer Linie!!

     

Ich jedenfalls freu mich jetzt schon diebisch auf den nächsten "Rock & Wrestling" Event und bin garantiert wieder mit von der Partie, wenn Bento III, der Looney Lobster, Muhfumba und all die anderen todesmutigen Recken erneut in den Ring steigen und uns Amateurwrestling in seiner trashigsten und spaßigsten Form vor den Latz knallen...

by Tobi  (19.12.2007)

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