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Ein
eher besinnlicher, unverzerrter Gitarrenlauf zu Beginn, dann eine
stampfend metallische Einleitung, wohin soll uns diese Scheibe noch
führen? AXEGRINDER kommen aus dem England der späten 80er und haben ihr
Album über Peaceville veröffentlicht, das kann also nur finsterster
Grindcore sein. Okay, ganz so derbe sind sie nicht. Der erste echte Song
„Hellstorm“ ist wuchtiger, dreckiger Metal mit thrashigen, punkigen und
fett rock’n’rolligen Elementen, wie ein Mix aus CELTIC FROST, DISCHARGE
und MOTÖRHEAD. So soll es dann auch weitergehen. Es groovt und treibt
ohne Ende, nach den groovigen Passagen wartet man aber vergebens auf ein
Blastbeatfeuerwerk. AXEGRINDER legen mehr Wert auf die ultimative Wucht
denn auf sinnloses Geprügel. Verzerrt scheint hier alles, Bass, Gitarre,
Gesang. Das macht den Anfang von „Life Chain“ so besonders spannend. Nun
denkt man aber, daß es gleich im NAPALM DEATH Höllentempo losgeht, wenn
der tänzelnde Anfang vorüber ist und sich Sänger Trev mit tiefer, rauher
Stimme ausgeschimpft hat. Nein, dem ist nicht so. Das stets vor sich hin
donnernde und doch groovende Feeling des Openers wird übernommen. Es
fällt auf, daß die Stücke sehr eingängig sind. AXEGRINDER waren wohl in
den späten 80ern das, was man heute als „Metalcore“ einstufen würde,
eine gelungene Symbiose aus wütendem Hardcore und fiesem Thrash und
Deathmetal. Bei „Life Chain“ gibt es sogar einen schönen, etwas
flotteren Solopart, was eben die Metaleinflüsse nochmals unterstreicht.
Mir fällt dieser scheppernde, aber ultimativ düstere Gitarrensound an
allen Ecken und Enden auf. Ein schönes Keyboardintro gibt es für „War
Machine“. Sehr melancholisch und dunkel, fast an alte 70er Horrorfilme
erinnernd mit Gothictouch. Ja, schräg, aber warum nicht? Dann bricht die
Hölle los. Das Schlagzeug wirbelt entfesselt, die Gitarren feuern
intensive, mitreißende Riffs ab und der Bass pumpt aggressiv im
Hintergrund. Dann ein Bruch, nur Bass, zurückhaltendes Schlagzeug und
unverzerrte Gitarre, wieder ein Umschwung in eine mittelschnell
walzende, alles zermalmende Passage mit diesen herrlichen
Mühlsteingitarren und schon geht der fünfte Song mit einem Basslauf sehr
ruhig aber spannend los. „Evilution“ steigert sich in einen Rifforkan
rein, der zwar für Sekunden straight nach vorne marschiert, aber wieder
in diesem wellenhaften Groove vom Schlagzeug endet. Irgendwo in der
Mitte des Stückes bekommt man ein jaulendes Gitarrensolo serviert und
einen sehr eingängig wirkenden Refrain, dann noch ein Tappingsolo und
wieder Gejaule. Was sind AXEGRINDER eigentlich? Deathmetaller? Rocker?
Punks? Musikalisch war die Symbiose perfekt, machte und macht unheimlich
Spaß. Der Sound ist natürlich anders als heute. Digitale
Glanzproduktionen gab es 1987/88 noch nicht, Satan sei Dank. Hier klang
alles räudig, dreckig und infernalisch, dadurch aber so natürlich und
lebendig wie nur möglich. Leben ist nicht perfekt! Perfektion bedeutet
Tod. Okay, back to the Music! Wieder geht es mit unverzerrten Gitarren,
zurückhaltend im Indierockstil los. Dann sägt auf einmal eine Zerre rein
und es wird verdammt heavy. Aus den Riffs sprechen die Emotionen, die
rohen, tiefen Vocals sprühen über vor Zorn. Der Song ist gut arrangiert
und auch wenn das Spiel sehr entfesselt und rauh klingt, die Band spielt
exakt. Sie sind keine technoiden Instrumentalgötter wie damals MAJESTY
(die sich ein Jahr später in DREAM THEATER umbenannten und ihr
gefeiertes Debüt rausbrachten), sie spielen einfach mit Leidenschaft und
intensivsten Gefühlen, die aus jeder brodelnden Note strömen. Tolle
Steigerungen auf Bass und Gitarren durchdringen Deine Sinne, setzen sich
unweigerlich in Dir fest. So sehr es auch scheppert, „Rise of the
Serpent Men“ ist richtiggehend melodisch. Ein langer und sehr
progressiver Song.
Piano vom Keyboard leitet „The final War“ ein. Nun wird es gänzlich
schmusig? Klare Gitarren betören Dich, eine entspannte, schwebende
Atmosphäre entsteht. Sobald Trev aber den Mund aufreißt, ist es mit der
Herrlichkeit vorüber, zudem kommen einige Augenblicke später die
Weltuntergangsgitarren wieder und walzen mörderisch über Deine Seele. Ja
und dann? Dann tritt wieder der ruhige Part ein. Wow, doch nicht nur
eine Einleitung. Dieser Abschnitt schwimmt in Melancholie und
unterschwelligem Zorn.
Welch eine Scheibe! Klar, 1988 nur den Hardcorefreaks vorbehalten, weil
es eben noch keine Möglichkeiten gab, sich mit Informationen
vollzusaugen. Dabei hätte sie ebenso den Thrashfanatikern, Deathmetal (CELTIC
FROST) - Fans (die damals ja von der „Cold Lake“ bitterst enttäuscht
waren), Hardcoremaniacs und sogar toleranten Schwermetallern (die, denen
alle Kaliber gefielen) eine Gänsehaut verschaffen können. Was nicht ist,
wird vielleicht werden, oder? Ach ja, Bonustracks gibt es auch. Vier
Stücke von WARTECH, der AXEGRINDER Nachfolgeband. Musikalisch war es
sauberer, sehr progressiv, schräg und finster, aber noch immer
metallisch. Vergleichbar sicherlich mit VOIVOD, KILLING JOKE und solchen
Sachen. Die Songs sind sehr spannend, mit abgeflogenen Läufen, feurigen
Soli, sehr kranken Melodien und Disharmonien. Wem sie nicht gefallen,
der kann ja nach „The final War“ die CD abstellen, Wagemutige hören und
genießen bis zum Ende. |