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Uwe Boll, das Enfant Terrible
des deutschen Films, hat es wieder getan und mit Ubisoft's erfolgreichem
Egoshooter "Far Cry" ein weiteres populäres Videogame auf die große
Leinwand gebracht. Und natürlich werden auch hier wieder die
selbsternannten Hüter des guten Geschmacks Schimpf und Schande schreien
und einmal mehr voller Empörung die Frage in den Raum stellen, warum dem
"Ed Wood des 21. Jahrhunderts" nicht schon vor langer Zeit die Lizenz
zum Filmemachen entzogen wurde und warum er sich ausgerechnet wieder an
einem Kultgame wie "Far Cry" vergreifen musste.
Mir sollen die ganzen Unkenrufe aber herzlich egal sein, denn ganz
unabhängig davon
wie viele Nerds sich noch in irgendwelchen Internetforen und Blogs über
die Boll'schen Machwerke aufregen, mir haben eigentlich fast alle Filme gefallen,
die der ursprünglich aus Wermelskirchen stammende Filmemacher seit
seiner ersten Videospieladaption "House Of The Dead" gemacht hat und
selbst diejenigen Streifen, die jetzt nicht unbedingt zu meinen
persönlichen Faves gehören, wie "Alone In The Dark" oder "Bloodrayne II:
Deliverance", sind immer noch um Längen besser als es der Großteil der
Nörgler gerne hätte.
Und so hab ich als eingefleischter Boll-Supporter dann auch schon seit
Wochen dem 02. Oktober 2008 entgegengefiebert, sollte an diesem Tag doch
mit "Far Cry" das neuste Actionspektakel des Maestros in Deutschland
anlaufen. Also schnell noch ein paar Bier als Wegverzehrung in den
Rucksack gestopft und dann ging's für mich, meine bessere Hälfte und
zwei Freunde ab zum Cinemaxx, wo die nächsten anderthalb Stunden lang
eine Explosion nach der anderen die Leinwand erschüttern lassen und
einem vor lauter Verfolgungsjagden, Schießereien und Prügelorgien kaum
noch Zeit zum Luft holen bleiben sollte.
Uwe Boll's "Far Cry" ist von vorn bis hinten wirklich haargenau so
ausgefallen, wie ich es mir erhofft und erwartet hatte: ein
action-geladener, stets mit einem Augenzwinkern dargebotener No-Brainer
in bester Tradition von alten Klassikern wie Van Damme's "Universal
Soldier", Chuck Norris' "Invasion USA" oder auch Schwarzenegger's
"Phantom Kommando".
Lediglich die schnellen Schnitte und die teilweise für meinen Geschmack
etwas zu hektische Kameraführung während der Action- und insbesondere
der Kampfszenen erinnerten mich als Zuschauer dann doch immer wieder
dezent daran, dass ich mir mit "Far Cry" gerade einen brandaktuellen
Film und kein kultiges Effektgewitter aus den 80ern oder frühen 90ern
reinziehe. Mit kleinen Abstrichen in der B-Note ist Uwe Boll hier also
das Kunststück gelungen, den Charme des oldschooligen Actionkinos der
80er in die Gegenwart hinüberzutragen und mit zeitgemäßem Look, moderner
Technik und bildgewaltigen Effekten zu vermengen.
Da ist es dann auch wenig verwunderlich, dass "Far Cry"--ganz
in der Tradition der weiter oben genannten Actionreißer--weder mit einer
besonders tiefsinnigen Story, noch mit detailliert ausgearbeiteten
Charakteren und geistreichen Dialogen aufwartet, sondern es in diesen
Punkten eher so scheint, als wäre Schmalhans Küchenmeister gewesen.
Die Hintergrundgeschichte jedenfalls ist schnell erzählt und schon
tausend mal gehört: Auf einer abgelegenen Insel züchtet der
größenwahnsinnige deutsche Wissenschaftler Dr. Krieger (oberkultig
verkörpert von der B-Movie Legende Udo Kier) eine Armee von genetisch
manipulierten Übersoldaten heran, die er als ultimative Kampfmaschinen
an die höchstbietende Regierung verkaufen will. Als die junge Reporterin
Valerie Cardinal (Emmanuelle Vaughier) davon Wind bekommt, wittert sie
natürlich gleich eine brandheiße Story und lässt sich von ihrem Onkel,
dem im Dienste von Dr. Krieger stehenden Army Colonel Max Cardinal
(gespielt von Muskelmann Ralf Moeller), über die Geschehnisse in den
geheimen Forschungslabors auf dem Laufenden halten.
Mit Hilfe des ehemaligen Elitesoldaten Jack Carver (Til Schweiger), der
die Knarre schon lange an den Nagel gehängt hat und sich nun als Skipper
seine Brötchen verdient, macht sich Valerie, von journalistischer
Neugier getrieben, letztlich selbst auf den Weg zu Kriegers Insel. Doch
anstelle von Onkel Max werden sie und ihr Begleiter dort von der rechten
Hand des durchgeknallten Wissenschaftlers, der russischen Powerfrau
Natasha Tchernov (Natalia Avelon) und einem Trupp schwer bewaffneter
Soldaten empfangen, die fortan alles daran setzen, den beiden
ungebetenen Gästen den Garaus zu machen. Dabei haben sie die Rechnung
natürlich ohne Jack Carver gemacht, der sich schnell wieder seiner alten
Tugenden besinnt und Dr. Kriegers Privatarmee fortan kräftig einheizt.
Zugegeben, innovativ ist die ganze Chose jetzt nicht unbedingt, dafür
umso kurzweiliger und unterhaltsamer. Til Schweiger macht als
schlagfertiger Actionheld, der nie um einen kräftigen Faustschlag oder
einen zynischen Kommentar verlegen ist, eine tolle Figur und scheint
sich in dem von Uwe Boll gekonnt inszenierten Action- und
Explosionswirrwarr pudelwohl zu fühlen. Ohne viel zu fackeln werden hier
tonnenweise gepanzerte Jeeps in die Luft gejagt, Helikopter vom Himmel
geholt, Soldaten abgeknallt und Kugeln verschossen. Per Auto und
Speedboot werden sich ebenso rasante Verfolgungsjagden geliefert wie zu
Fuß und ganz so wie es sich für ein herrlich überzogenes Actionspektakel
gehört werden die Gesetze der Physik und Schwerkraft in "Far Cry" alles
andere als genau genommen.
Die oft unfreiwillig komischen Dialoge und zum Teil arg platten
Handlungsstränge (an dieser Stelle sei nur einmal kurz auf die jetzt
schon legendäre Szene verwiesen, in der Jack und Valerie sich erstmals
näher kommen) tun darüber hinaus ihr Übriges, um die Lachmuskeln des
Zuschauers auf Trapp zu halten und das Kult-Barometer steil nach oben
steigen zu lassen.
Die einzigen Dinge, die mir bei "Far Cry" neben der eingangs bereits
angesprochenen, aber heutzutage leider fast schon obligatorischen
Wackelkamera bei den Kampfszenen wirklich negativ aufgefallen sind, sind
zum einen die etwas lieblose Umsetzung der Einschüsse (es hätte ruhig
mal etwas Blut spritzen können, wenn jemand tödlich getroffen wird) und
zum anderen der doch arg nervige Charakter von Chris Coppola, der hier
den dicken Essenslieferanten Emilio spielt, der sich gleich bei seinem
ersten Auftritt erstmal ein Riesensandwich zwischen die Kiemen drückt
und von da an eigentlich nicht viel tut außer einen unlustigen Kalauer
nach dem anderen zu reißen.
Hätte man bei den Kugeltreffern etwas mehr Sorgfalt an den Tag gelegt
und Emilio aus dem Drehbuch gestrichen oder ihn zumindest einen Tick
weniger zwanghaft auf witzig getrimmt, dann wäre "Far Cry" als Ganzes
noch 'nen kleinen Zacken cooler ausgefallen. Aber auch so hat Uwe Boll
mit seiner neusten Videospiel-Adaption einen spektakulären, explosiven
und jede Menge oldschooligen Charme versprühenden Actionknaller
abgeliefert, den sich alle diejenigen Filmfans unter euch unbedingt
angucken sollten, die sich auch heute noch immer mal wieder gerne ihre
angestaubten VHS Tapes mit den alten Kultstreifen von Arnold
Schwarzenegger, Dolph Lundgren, Michael Dudikoff und Co reinziehen. |