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¬ Far Cry

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Vertrieb:  
Genre: 
FSK:
Neuerscheinung
Kinofilm
97 Minuten
2008
20th Century Fox
Action
1
6
Regie: Uwe Boll
Producer: Shawn Williamson, Dan Clark, Uwe Boll, etc
Drehbuch: Masaji Takei, Michael Roesch & Peter Scheerer
Cast: Til Schweiger (Jack Carver) ; Udo Kier (Dr. Krieger) ; Emmanuelle Vaugier (Valerie Cardinal) ; Natalia Avelon (Natasha Tchernov) ; Ralf Moeller (Max Cardinal) ; Chris Coppola (Emilio) ; Michael Paré (Paul Summers) ; Craig Fairbrass (Parker) ; Mike Dopud (Ryder)

Uwe Boll, das Enfant Terrible des deutschen Films, hat es wieder getan und mit Ubisoft's erfolgreichem Egoshooter "Far Cry" ein weiteres populäres Videogame auf die große Leinwand gebracht. Und natürlich werden auch hier wieder die selbsternannten Hüter des guten Geschmacks Schimpf und Schande schreien und einmal mehr voller Empörung die Frage in den Raum stellen, warum dem "Ed Wood des 21. Jahrhunderts" nicht schon vor langer Zeit die Lizenz zum Filmemachen entzogen wurde und warum er sich ausgerechnet wieder an einem Kultgame wie "Far Cry" vergreifen musste.
Mir sollen die ganzen Unkenrufe aber herzlich egal sein, denn ganz unabhängig davon wie viele Nerds sich noch in irgendwelchen Internetforen und Blogs über die Boll'schen Machwerke aufregen, mir haben eigentlich fast alle Filme gefallen, die der ursprünglich aus Wermelskirchen stammende Filmemacher seit seiner ersten Videospieladaption "House Of The Dead" gemacht hat und selbst diejenigen Streifen, die jetzt nicht unbedingt zu meinen persönlichen Faves gehören, wie "Alone In The Dark" oder "Bloodrayne II: Deliverance", sind immer noch um Längen besser als es der Großteil der Nörgler gerne hätte.
Und so hab ich als eingefleischter Boll-Supporter dann auch schon seit Wochen dem 02. Oktober 2008 entgegengefiebert, sollte an diesem Tag doch mit "Far Cry" das neuste Actionspektakel des Maestros in Deutschland anlaufen. Also schnell noch ein paar Bier als Wegverzehrung in den Rucksack gestopft und dann ging's für mich, meine bessere Hälfte und zwei Freunde ab zum Cinemaxx, wo die nächsten anderthalb Stunden lang eine Explosion nach der anderen die Leinwand erschüttern lassen und einem vor lauter Verfolgungsjagden, Schießereien und Prügelorgien kaum noch Zeit zum Luft holen bleiben sollte.
Uwe Boll's "Far Cry" ist von vorn bis hinten wirklich haargenau so ausgefallen, wie ich es mir erhofft und erwartet hatte: ein action-geladener, stets mit einem Augenzwinkern dargebotener No-Brainer in bester Tradition von alten Klassikern wie Van Damme's "Universal Soldier", Chuck Norris' "Invasion USA" oder auch Schwarzenegger's "Phantom Kommando".
Lediglich die schnellen Schnitte und die teilweise für meinen Geschmack etwas zu hektische Kameraführung während der Action- und insbesondere der Kampfszenen erinnerten mich als Zuschauer dann doch immer wieder dezent daran, dass ich mir mit "Far Cry" gerade einen brandaktuellen Film und kein kultiges Effektgewitter aus den 80ern oder frühen 90ern reinziehe. Mit kleinen Abstrichen in der B-Note ist Uwe Boll hier also das Kunststück gelungen, den Charme des oldschooligen Actionkinos der 80er in die Gegenwart hinüberzutragen und mit zeitgemäßem Look, moderner Technik und bildgewaltigen Effekten zu vermengen.
Da ist es dann auch wenig verwunderlich, dass "Far Cry"--ganz in der Tradition der weiter oben genannten Actionreißer--weder mit einer besonders tiefsinnigen Story, noch mit detailliert ausgearbeiteten Charakteren und geistreichen Dialogen aufwartet, sondern es in diesen Punkten eher so scheint, als wäre Schmalhans Küchenmeister gewesen.
Die Hintergrundgeschichte jedenfalls ist schnell erzählt und schon tausend mal gehört: Auf einer abgelegenen Insel züchtet der größenwahnsinnige deutsche Wissenschaftler Dr. Krieger (oberkultig verkörpert von der B-Movie Legende Udo Kier) eine Armee von genetisch manipulierten Übersoldaten heran, die er als ultimative Kampfmaschinen an die höchstbietende Regierung verkaufen will. Als die junge Reporterin Valerie Cardinal (Emmanuelle Vaughier) davon Wind bekommt, wittert sie natürlich gleich eine brandheiße Story und lässt sich von ihrem Onkel, dem im Dienste von Dr. Krieger stehenden Army Colonel Max Cardinal (gespielt von Muskelmann Ralf Moeller), über die Geschehnisse in den geheimen Forschungslabors auf dem Laufenden halten.
Mit Hilfe des ehemaligen Elitesoldaten Jack Carver (Til Schweiger), der die Knarre schon lange an den Nagel gehängt hat und sich nun als Skipper seine Brötchen verdient, macht sich Valerie, von journalistischer Neugier getrieben, letztlich selbst auf den Weg zu Kriegers Insel. Doch anstelle von Onkel Max werden sie und ihr Begleiter dort von der rechten Hand des durchgeknallten Wissenschaftlers, der russischen Powerfrau Natasha Tchernov (Natalia Avelon) und einem Trupp schwer bewaffneter Soldaten empfangen, die fortan alles daran setzen, den beiden ungebetenen Gästen den Garaus zu machen. Dabei haben sie die Rechnung natürlich ohne Jack Carver gemacht, der sich schnell wieder seiner alten Tugenden besinnt und Dr. Kriegers Privatarmee fortan kräftig einheizt.
Zugegeben, innovativ ist die ganze Chose jetzt nicht unbedingt, dafür umso kurzweiliger und unterhaltsamer. Til Schweiger macht als schlagfertiger Actionheld, der nie um einen kräftigen Faustschlag oder einen zynischen Kommentar verlegen ist, eine tolle Figur und scheint sich in dem von Uwe Boll gekonnt inszenierten Action- und Explosionswirrwarr pudelwohl zu fühlen. Ohne viel zu fackeln werden hier tonnenweise gepanzerte Jeeps in die Luft gejagt, Helikopter vom Himmel geholt, Soldaten abgeknallt und Kugeln verschossen. Per Auto und Speedboot werden sich ebenso rasante Verfolgungsjagden geliefert wie zu Fuß und ganz so wie es sich für ein herrlich überzogenes Actionspektakel gehört werden die Gesetze der Physik und Schwerkraft in "Far Cry" alles andere als genau genommen.
Die oft unfreiwillig komischen Dialoge und zum Teil arg platten Handlungsstränge (an dieser Stelle sei nur einmal kurz auf die jetzt schon legendäre Szene verwiesen, in der Jack und Valerie sich erstmals näher kommen) tun darüber hinaus ihr Übriges, um die Lachmuskeln des Zuschauers auf Trapp zu halten und das Kult-Barometer steil nach oben steigen zu lassen.
Die einzigen Dinge, die mir bei "Far Cry" neben der eingangs bereits angesprochenen, aber heutzutage leider fast schon obligatorischen Wackelkamera bei den Kampfszenen wirklich negativ aufgefallen sind, sind zum einen die etwas lieblose Umsetzung der Einschüsse (es hätte ruhig mal etwas Blut spritzen können, wenn jemand tödlich getroffen wird) und zum anderen der doch arg nervige Charakter von Chris Coppola, der hier den dicken Essenslieferanten Emilio spielt, der sich gleich bei seinem ersten Auftritt erstmal ein Riesensandwich zwischen die Kiemen drückt und von da an eigentlich nicht viel tut außer einen unlustigen Kalauer nach dem anderen zu reißen.
Hätte man bei den Kugeltreffern etwas mehr Sorgfalt an den Tag gelegt und Emilio aus dem Drehbuch gestrichen oder ihn zumindest einen Tick weniger zwanghaft auf witzig getrimmt, dann wäre "Far Cry" als Ganzes noch 'nen kleinen Zacken cooler ausgefallen. Aber auch so hat Uwe Boll mit seiner neusten Videospiel-Adaption einen spektakulären, explosiven und jede Menge oldschooligen Charme versprühenden Actionknaller abgeliefert, den sich alle diejenigen Filmfans unter euch unbedingt angucken sollten, die sich auch heute noch immer mal wieder gerne ihre angestaubten VHS Tapes mit den alten Kultstreifen von Arnold Schwarzenegger, Dolph Lundgren, Michael Dudikoff und Co reinziehen.

Homepage: www.farcry-film.de (Offizielle Homepage) ; http://www.imdb.com/title/tt0400426/ (IMDB)

77% by Tobi (04.10.2008)

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