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Midnight
Reign stammen aus dem glamourösen Umfeld Hollywoods und verknüpfen auf
ihrem aktuellen Longplayer "Never Look Back" den pompösen Hairspray
Metal der 80er sowohl mit Versatzstücken aus der Klassik als auch
mit Einflüssen aus der modernen Rockmusik.
So treffen hier nicht selten ausschweifende Rock'n'Roll-Attitüde und
brachiale Riffs auf Violinengefidel und Celloklänge. Eine gewagte
Mischung, die sich auf dem Papier zwar zugegebenermaßen ziemlich
merkwürdig ließt, in der konkreten Midnight Reign'schen Ausführung aber
überraschend gut funktioniert!!
Ok, mit dem wüsten und für meine Ohren viel zu modern tönenden "666 (Is
My Area Code)" beginnt die CD nicht unbedingt viel versprechend, doch
schon mit dem nachfolgenden Rockmonster "The Hollywood Rx" zeigen
Midnight Reign was sie wirklich drauf haben und liefern einen hittigen,
in ein zeitgemäßes aber keinesfalls nerviges Soundgewand gekleideten
Ohrwurm ab, der einem einen mächtigen Arschtritt verpasst und sich lange
in den Hörmuscheln festsetzt. Hier können sich Midnight Reign wahrlich
hören lassen.
Und mit den folgenden zwei Nummern legen sie noch mal einen drauf, denn
mit "Breathe On Me..." und "The Mourning After..." stimmen Midnight
Reign erstmals etwas ruhigere Klänge an und jagen einem sofort eine
wohlige Gänsehaut über den Rücken. Gerade das schmachtende "The Mourning
After..." hat mich als bekennendem Balladenfan sofort in seinen Bann
gezogen. Diesen Hammertrack hat der Songwriter, Sänger, Gitarrist und
Texter der Band, Joseph Michael, wirklich genial gesungen und ich könnte
ihn mir locker 20 Mal hintereinander in einer Endlosschleife anhören,
ohne dass er mir überdrüssig wird!!
Und auch im weiteren Verlauf des Albums können Midnight Reign dann fast
durchgehend punkten, sei es mit dem gewaltigen, fast neun Minuten langen
"Far Away", dem erneut sehr rockigen "XXX (Playground)" oder auch der
hammermäßigen Halbballade "Goodbye..."!! Und auch der düstere und mit
einem wahnsinnigen Refrain versehene Titeltrack "Never Look Back" sollte
hier keinesfalls unerwähnt bleiben... lediglich "Kiss The Flames" ist
mir streckenweise wieder einen Tick zu modern ausgefallen, doch das soll
den positiven Gesamteindruck höchstens minimal schmälern.
Dass Midnight Reign ausgerechnet aus Hollywood stammen, passt wirklich
wie die Faust aufs Auge, denn sowohl in ihren Songs als auch in ihren
Texten, die uns zumeist wilde Geschichten von Drogen, Alkohol, Sex und
Tod erzählen, fangen Joseph Michael und seine Truppe den Zauber und
Glanz dieser Stadt ebenso ein wie ihre Dekadenz und ihre Abgründe...
"Never Look Back" ist weiß Gott kein einfach zu konsumierendes Album,
aber dafür ist es eines, das einen wirklich packt, wach rüttelt und in
einem unaufhörlichen Rock'n'Roll-Strudel mit nach unten zieht. Treffende
Vergleiche zu finden ist mir hier zwar fast unmöglich, da Midnight Reign
komplett ihr eigenes Ding machen, wenn ihr euch jedoch einen wüst
durchgerührten Namenscocktail im Stile von Mötley Crüe/Guns'n'Roses/Rob
Zombie zumindest annähernd vorstellen könnt, dann solltet ihr jetzt
wenigstens eine ganz grobe Vorstellung davon haben, was euch auf "Never
Look Back" erwartet.
Midnight Reign klingen nicht nur unkonventionell und unberechenbar,
sondern vor allem auch unwahrscheinlich gut. Ich weiß gar nicht genau,
woran es überhaupt liegt, aber irgendwie wandert diese CD fast
tagtäglich in meinen CD Schacht und schallt durch die Boxen und wenn es
ein Indiz dafür gibt, dass ein Album wirklich gut ist, dann ist es die
Tatsache, dass man einfach nicht die Finger davon lassen kann...
aufgrund der gelegentlichen Ausflüge in zu moderne Gefilde bleibt ein
kleiner Abzug in der B-Note zwar bestehen, insgesamt möchte ich aber
zumindest den etwas aufgeschlosseneren Metalheads unter euch dringend
anraten, diese irre Band umgehend einmal anzuchecken!! |