|
Es
gibt wohl kaum einen Horror-, Splatter- oder Zombiefilm-Fan, dessen
Augen nicht hellauf zu leuchten beginnen, wenn er den Namen Lucio Fulci
in seinen Ohren erklingen hört, hat der kauzige italienische Filmemacher
in den späten 70ern und frühen 80ern wie kaum ein zweiter die Grenzen
des extremen Films ausgelotet und uns dabei bluttriefende und über die
Maßen kultige Genreklassiker wie "The Beyond - Geisterstadt Der
Zombies", "Paura - Ein Zombie Hängt Am Glockenseil" oder "Woodoo -
Schreckensinsel Der Zombies" beschert, die auch nach mehr als einem
Vierteljahrhundert nicht das Geringste von ihrer Faszination verloren
haben.
Und dies trifft nicht nur auf die zeitlosen Werke des Maestros zu,
sondern auch auf den Menschen Lucio Fulci selbst, denn auch heute noch,
fast 15 Jahre nach seinem Tod im Jahre 1996, spalten er und sein von
Made zerfressenes, Schauer über den Rücken jagendes Vermächtnis noch
immer die Filmgemeinde.
Während seine treuen und in posthumen Jahren immer zahlreicher werdenden
Fans ihn beinahe gottgleich verehren, ist er seinen Kritikern
bestenfalls als Eigenbrödler, Frauenfeind und Schöpfer von
geschmacklosen, ja beinahe schon menschenverachtenden Gewaltorgien in
Erinnerung geblieben. Eine neutralere, den Mittelweg einschlagende
Meinung scheint es zu dem Godfather of Italien Gore fast nicht zu geben.
Um den mythischen Schleier, der seit jeher den Namen Lucio Fulci
bedeckt, zumindest ein wenig zu lüften und Fans wie Kritikern einen
Eindruck davon zu vermitteln, was für ein Mensch bei Kultfilmen wie "The
New York Ripper", "Das Haus An Der Friedhofsmauer" oder "Murder Rock"
auf dem Regiestuhl gesessen hat, hat die amerikanische Produktionsfirma
Paura Productions mit der beinahe vierstündigen Interviewsammlung "Paura
- Lucio Fulci Remembered Volume One" ein wahrlich gewaltiges Projekt in
Angriff genommen und über 90 Filmschaffenden, die entweder in der
Vergangenheit mit Fulci zusammengearbeitet hatten oder aber sich
sichtlich von seiner Arbeit beeinflusst sehen, vor laufender Kamera die
eine, entscheidende Frage gestellt: "What is your fondest memory of
Lucio Fulci?" ("Was ist deine lebhafteste Erinnerung an Lucio Fulci?").
Die Antworten hätten dabei unterschiedlicher und weit gefächerter kaum
ausfallen können. Während manchen Interviewpartnern kaum mehr als eine
knappen nahezu nichts sagende Floskel zu entlocken ist, warten andere
mit ausschweifenden Anekdoten auf, von denen manche lustig und
unterhaltsam, andere tragisch und rührend und noch wieder andere
informativ und gerade in film-historischer Hinsicht nicht uninteressant
sind.
So erfahren wir ulkige Details, wie z.B. dass Fulci rohe Zwiebeln
gegessen haben soll, wie andere Leute Äpfel, oder dass seine Hemden und
Pullover stets mit kleinen Brandlöchern von seiner herunterfallenden
Zigarrenasche überseht waren, ebenso wie nachdenklich stimmende
Geschichten zu seinem zerrüttetem Familienleben oder spannende
Erzählungen über seine oft eigensinnige Arbeitsweise am Set.
Die Spanne der zum Thema Fulci befragten Menschen reicht dabei von
Schauspielern und Crewmitgliedern, die in seinen Filmen mitgewirkt
hatten, bis hin zu anderen namhaften, italienischen Filmemachern, die
zur selben Zeit wie Fulci tätig waren und teilweise gar mit ihm an
gemeinsamen Projekten gearbeitet hatten. Es sind also allesamt Leute,
die wirklich wissen, wovon sie hier reden und die mit der Teilnahme an
dieser DVD einer wie der andere einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass
das obskure und sicherlich oft missverstandene Andenken eines der
legendärsten europäischen Filmemacher zumindest ein wenig beleuchtet und
ins rechte Lichte gerückt wird.
Alle Fans des gleichermaßen exzentrischen wie genialen Regisseurs, die
gerne mehr über ihren Helden erfahren wollen als das, was sie auf der
Leinwand zu sehen kriegen, kommen bei "Paura - Lucio Fulci Remembered
Vol. 1" somit voll auf ihre Kosten und werden die Filme der ursprünglich
aus Rom stammenden Horrorikone nach dem Angucken dieser DVD vielleicht
sogar mit ein klein wenig anderen Augen sehen.
Dafür sollte man sich aber doch etwas Zeit mitbringen, denn sowohl die
satte Spielzeit von gut und gerne vier Stunden, als auch die Tatsache,
dass viele Interviews mit den überwiegend aus Italien stammenden
Gesprächspartnern lediglich auf Italienisch mit englischen Untertiteln
vorliegen, dürften eigentlich klar machen, dass man diese DVD nicht mal
einfach so schnell nebenbei einwerfen kann, sondern dass man ihr doch
einiges an Aufmerksamkeit widmen muss.
Davon sollte sich nun aber weiß Gott niemand abschrecken lassen, denn
jede Minute, die diese ambitioniert umgesetzte, liebevoll gestaltete und
auf gerade einmal 2500 Einheiten limitierte DVD über eure Fernsehschirme
flackert, ist für eingefleischte Fulci-Fans (und solche, die's noch
werden wollen) wahrlich Gold wert. |