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¬ Postal - The Movie

Rubrik:
Format: 
Spielzeit: 
Release: 
Vertrieb:  
Genre: 
FSK:
Neuerscheinung
Kinofilm
100 Minuten
2007
Boll KG
Action/Comedy
16
Regie: Uwe Boll
Producer: Uwe Boll, Dan Clarke & Shawn Williamson
Drehbuch: Uwe Boll & Bryan C. Knight
Cast: Zack Ward (Postal Dude) ; Dave Foley (Uncle Dave) ; Chris Coppola (Richard) ; Larry Thomas (Osama Bin Laden) ; Michael Benyaer (Mohammed) ; Jackie Tohn (Faith) ; Erick Avari (Habib) ; Ralf Moeller (Officier John) ; Chris Spencer (Officer Greg) ; Verne Troyer (himself)

"Erst wenn wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun". Dieses Zitat des Brad Pitt-Charakters Tyler Durden aus dem Kultfilm "Fight Club" scheint auf Dr. Uwe Boll's neusten Kinostreifen, die umstrittene Actionkomödie "Postal", zu  passen wie die Faust auf's Auge!
Denn nachdem der kontroverse deutsche Regisseur, dessen polarisierende Computerspiel-Verfilmungen ihm bisher eher zweifelhaften Ruhm eingebracht haben, anno 2005 mit ansehen musste, wie sein damals aktueller Streifen "Bloodrayne" trotz 20 Million Dollar Budgets und beeindruckender Starbesetzung von den  Kritikern regelrecht zerrissen wurde, scheint es irgendwann "Klick" gemacht zu haben und der Punkt war erreicht, von dem an es den guten Uwe einfach nicht mehr kümmern sollte, was irgendein miesepetriger Internet-Nerd auf seinem Web-Blog über ihn schreibt.
Anstatt also den Kopf in den Sand zu stecken und klein beizugeben, hat Dr. Boll das einzig richtige getan, nämlich fortan voll auf Kollisionskurs zu gehen und der ganzen Film- und Medienwelt den sinnbildlichen Stinkefinger zu zeigen! Dieser Befreiungsschlag sonder gleichen nahm im Herbst 2006 seinen Anfang, als Uwe Boll fünf seiner ärgsten Kritiker zu Boxkämpfen herausforderten und einen nach dem anderen auf die Matte schickte und geht nun, gut ein Jahr später, mit dem deutschen Kinostart von "Postal" in die zweite Runde.
Denn auf der Vorlage eines politisch 100% unkorrekten und in Deutschland prompt auf den Index verbannten Videogames hat der streitbare Filmemacher mit "Postal" den mit Sicherheit skandalösesten und unverblümtesten Film des Jahres auf die hiesigen Filmfans losgelassen und getreu dem Motto "Jetzt erst recht" mit jedem nur erdenklichen Tabu gebrochen und nichts und niemanden verschont gelassen. Und was außer den beinharten Bollfans, zu denen natürlich auch ich mich zähle, kaum einer erwartet hat, ist wirklich eingetreten: "Postal" ist nicht nur einfach bloß provokant und wütend ausgefallen, sondern vor allem auch haben wir es hier mit einem ungemein unterhaltsamen und schlichtweg urkomischen Streifen zu tun, der neben allem Geblödel und Blutvergießen sogar noch eine wirklich wichtige Message in die Welt hinausträgt.
Die Story von "Postal" verschlägt uns in das ironisch betitelte US-Städtchen Paradise, wo ein tollpatschiges Weichei (Zack Ward) händeringend versucht, einen neuen Job zu finden und so das wenig glamourreiche Leben in einem heruntergekommenen Trailerpark ein für alle mal hinter sich zu lassen. Doch das Schicksal meint es einfach nicht gut mit unserem Protagonisten... das Vorstellungsgespräch in der örtlichen Fabrik bleibt trotz allen Bemühens erfolglos, der Besuch beim Sozialamt endet in einer wüsten Schießerei, zuhause treibt es die übergewichtige Ehefrau mit der Hälfte der Stadtbevölkerung und der siffige Hinterwäldler von nebenan reicht wegen jeder Kleinigkeit Beschwerde ein. Als ihm dann auch noch ein aufdringlicher Gangster eine Knarre vor's Gesicht hält, platzt unserem Helden wider Willen endgültig der Kragen und er begibt sich auf einen schießwütigen und völlig irren Amoklauf, der keinen Stein mehr auf dem anderen lässt!!
Zusammen mit seinem bekifften Onkel Dave (Dave Foley), einem zugedröhnten Hippie und Sektenguru, sowie dessen schmierigem Handlanger Richard (Chris Coppola) und einer Horde vollbusiger Blondinen macht sich der fortan als "Postal Dude" bekannte Anti-Held nun auf zum neu eröffneten Nazi-Freizeitpark "Little Germany", um dort eine Ladung superseltener "Krotchy-Doll" Penispuppen zu stehlen und mit dem Verkauf selbiger auf Ebay Millionen zu scheffeln.
Unglücklicherweise jedoch  haben es Staatsfeind Nummer Eins, Osama Bin Laden (Larry Thomas), und seine Al Qaeda-Kämpfer ebenfalls auf die heiß begehrten Krotchy-Dolls abgesehen, denn sie wollen die niedlichen und bei den Kindern der westlichen Welt ungeheuer beliebten Knuddelpenisse mit der asiatischen Vogelgrippe infizieren und die todbringende Krankheit auf diese Weise in ganz Amerika verbreiten.
Es kommt also inmitten der von Bratwurstfett, Dirndls und Lederhosen geschwängerten Idylle "Little Germanys" zum unvermeidbaren Aufeinandertreffen beider Parteien und im wilden Kugelhagel kommen dann auch nicht nur der Gründer des Nazi-Freizeitparks, Uwe Boll persönlich, und unzählige seiner treu ergebenen Mitarbeiter zu Tode, sondern eine ganze Reihe unschuldiger kleiner Kinder wird ebenfalls von  den umherschwirrenden Maschinengewehrkugeln umgenietet.
Zugegeben, solch ein heil- und schamloses Gemetzel mit anzusehen ist schon etwas bizarr, Uwe Boll hat es jedoch in "Postal" meisterhaft fertig gebracht, selbst die an und für sich gröbsten und respektlosesten Gags mit einem gewissen Charme und Witz in Szene zu setzen, so dass man gar nicht anders kann, als über das  wüste Treiben zu  lachen. "Postal" versteht sich halt als eine bissige, schonungslose Satire auf die vermurkste politische Lage der von Angst, Hass und Selbstzensur dominierten Welt, in der wir spätestens seit den Anschlägen vom 11. September zu leben haben... und da Satire bekanntlich nie funktioniert, wenn sie einfach bloß zahm und lieb ist, überspannt Dr. Boll bei "Postal" den Bogen auch bis zum Äußersten und reizt die Grenzen des schlechten Geschmacks bis zum Umfallen aus.
Vor nichts und niemandem wird hier halt gemacht, denn "Postal" hält der gesamten Menschheit einen Spiegel vor und stellt wirklich alles und jeden an den Pranger. Dieser Film macht keine Unterschiede zwischen Hautfarben, Abstammungen, Glaubensrichtungen, politischen Gesinnungen und sonstigen Nebensächlichkeiten, nein, hier werden alle Menschen gleich behandelt und getreu der Devise "Jeder Mensch hat das  Recht verarscht zu werden" werden sie alle gleichermaßen durch den Kakao gezogen. Vom kleinkriminellen Straßengangster und schießwütigen Trailerpark-Bewohner, über den geschmierten Beamten und spießigen Kleinbürger bis hin zum religiösen Führer und einflussreichen Staatsoberhaupt kriegt hier wirklich jeder sein Fett weg, ja selbst der Hund der sein Geschäft nicht im Garten sondern direkt vor der Haustür erledigt, darf sich letztlich ein paar böse Töne anhören.
Wo andere Filmemacher rot anlaufen und pikiert den Schwanz einkneifen würden, da fängt für Uwe Boll der Spaß erst richtig an. Er präsentiert uns George W. und Osama als knuffige Kumpels, die Hand in Hand dem Sonnenuntergang entgegenschlendern, er setzt uns einen schwarzen Rassisten vor, der Rollstuhlfahrer ausbeutet und Asiatinnen über den Haufen ballert, er konfrontiert uns mit durchgeknallten Endzeitsektjüngern, die das Ende aller Tage dadurch einleiten wollen, dass sie einen kleinwüchsigen Medienstar (Verne Troyer) einer Horde liebestoller Schimpansen vorwerfen und er lässt eine superscharfe Blondine mit braun verschmiertem Mund vom Gangbang zurückkommen und mit Tränen in den Augen verkünden, dass sie soeben nicht bloß Schokolade genascht hat...
Wir kriegen Muskelprotz und "Conan"-Darsteller Ralf Möller als Donut-mampfenden Polizisten zu sehen, der seinen korrupten Kollegen beim Sex mit einer überaus fülligen Nymphomanin filmt, wir werden Zeuge wie Uwe Boll selber an einem Schuss in die Krohnjuwelen stirbt und mit den Worten "Ich hasse Videospiele" abtritt und in einer der lustigsten Szenen, die ich je gesehen habe, dürfen wir mit ansehen wie Comedy-Ikone Dave Foley (u.a. "Scrubs" und "Will und Grace") sich mit einer handvoll üppig bestückter Gespielinnen auf dem Bett vergnügt, dann plötzlich von seinem Handlanger Chris Coppola unterbrochen wird, nur mit einem nicht zugeknöpften (!!!) Bademantel bekleidet aufsteht und für die nächsten gut und gerne 30 Sekunden sein bestes Stück in voller Pracht in die Kamera hält. Als wenn das nicht schon genug wär, setzt er sich -- wohlgemerkt während er weiterhin ganz ungeniert mit seinem Assistenten quatscht -- auf eine Toilette inmitten des Raumes, verrichtet sein Geschäft, tupft sich sein Teil mit dem Bademantel ab, steht wieder auf und führt das Gespräch, noch immer im Adamskostüm, zu Ende...
Solcherlei Unverfrorenheit kennt man vielleicht gerade noch einmal aus einem gewagten Independentstreifen Marke "Troma", in einem millionenschweren, stargespickten Kinofilm, der weltweit in den Lichtspielhäusern läuft und auf DVD erscheint, hat sich so etwas aber zumindest meines Wissens nach noch niemand getraut!!
Und hier liegt dann auch der Hase im Pfeffer, denn ob man über die teilweise schon sehr speziellen Gags von "Postal" nun lachen kann oder nicht, eines muss man dem Film einfach zugestehen. In Zeiten, da jeder selbsternannte Political Correctness-Jünger den mahnenden Zeigefinger fast im Minutentakt schwingt, hat Uwe Boll einen Film geschaffen, der sich nicht die Bohne um all die aufgesetzte und übertriebene Gutmenschlichkeit schert und mit all seiner Dreistigkeit und Unverblümtheit zu einem regelrechten Mahnmal gegen jegliche Zensur und Beschneidung in der Film- und Medienwelt avanciert.
Denn wenn Uwe Boll mit einem Film wie "Postal" wirklich davon kommt und trotz aller Anrüchigkeiten, Tabubrüche, Gewaltverherrlichungen und Sexdarstellungen von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien sogar noch eine milde FSK16-Einstufung erhält, dann ist der Zensur hier im Lande sicherlich ein mächtiger Tritt vors Schienbein verpasst worden!!
Gerade vor diesem Hintergrund würde ich mir dann auch besonders wünschen, dass "Postal" die nationalen wie internationalen Kinokassen ordentlich klingeln lässt und zum echten Box Office-Schlager heranwächst, denn je mehr Staub dieser kontroverse und skandalträchtige Streifen aufwirbelt, desto mehr kann er seinen Beitrag für freie Meinungsäußerung innerhalb der Medienlandschaft leisten. Hinter all den Flachwitzen und Blödeleien steckt also durchaus eine wichtige und hörenswerte Message, die nicht einfach unter den Teppich gekehrt und außer Acht gelassen werden sollte... wenn es hart auf hart kommt, dann hat "Postal" wirklich einiges mehr zu bieten als bloß Peniswitze und Dumpfbackenhumor!!
Wer also schon immer einmal wissen wolle, wie "South Park" oder "Team America" aussehen würden, wenn statt Trickfilmfiguren oder Marionetten echte Schauspieler über die Leinwand wuseln, oder wie ein Troma-Film mit Multimillionendollar-Budget ausfallen würde, der sollte am besten noch dieses Wochenende ins Kino gehen und sich "Postal" reinziehen!! Ich versprech euch, wenn ihr auch nur im Entferntesten auf den Humor von Leuten wie Trey Parker, Lloyd Kaufman, James Gunn oder auch den Monty Pythons abfahrt, dann werdet ihr euch bei "Postal" mit Sicherheit vor Lachen im Kinosessel biegen!!
Denn auch wenn letzten Endes nicht jeder Gag vollends ins Schwarze trifft und man in Sachen Tabubruch hin und wieder einen Tick zu plakativ und offensichtlich vorgeht, so liegt hier unterm Strich doch ein sehr wichtiger und absolut empfehlenswerter Streifen vor, der ein an und für sich sehr ernstes Thema sprichwörtlich an den Eiern packt und es mit einem wahren Trommelfeuer an Gags durchlöchert wie einen Schweizer Käse!!
Alles in allem handelt es sich bei "Postal" nicht nur um den meiner Meinung nach besten Film, den Uwe Boll bisher gedreht hat, sondern vor allem auch um einen der lustigsten und urkomischsten Streifen, die in  den letzten Monaten über die deutschen Kinoleinwände geflimmert sind!! Ich jedenfalls hab an vielen Stellen wirklich Tränen gelacht und bin ernsthaft am überlegen, ob ich nicht gleich nächste Woche noch mal ins Kino geh und mir "Postal" ein zweites Mal reinzieh!! Lohnen würde es sich allemal...

Homepage: www.postal-the-movie.com (Film) ; www.imdb.com/title/tt0486640/ (IMDB) ; www.boll-kg.de (Produzent/Regisseur)

90% by Tobi (20.10.2007)

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