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Wenn
es um Chile geht, dann denkt der kulturell und politisch eher weniger
interessierte Mitteleuropäer in erster Linie vielleicht an putzige
Chinchillas, die 1962er Weltmeisterschaft im Fußball und die gewaltigen
Steinstatuen auf der Osterinsel. Dass der im Südwesten des
südamerikanischen Kontinents gelegene Küstenstaat jedoch auch als
Brutstätte genialsten Underground Heavy Metals von sich Reden macht, dass
hätten bis vor kurzem wohl nur die Wenigsten gedacht.
Nun aber haben die drei Doom Metal-Hohepriester von Procession mit "The
Cult Of Disease" ihr epochales Debütalbum am Start und machen damit
unmissverständlich klar, dass den Chilenen so schnell keiner etwas
vormacht, wenn es darum geht, brachiale Lavawalzen mit schierer Urgewalt
durch die Boxen zu jagen.
Monströs, bedrohlich und absolut unaufhaltbar lässt das unheilige
Dreigespann seine von Düsternis geschwängerten Doom-Hymnen erklingen und
legt dabei eine Intensität an den Tag, wie man sie nur selten zu hören
bekommt. Mal kriechen die Songs förmlich vor sich hin wie ein todgeweihter
Pestkranker, der mit letzter Kraft versucht, dem Unheil bringenden "Raven
Of Disease" zu entfliehen, der hoch über ihm am Himmel seine Kreise zieht.
Und dann wieder schreiten Procession schnelleren, aber nicht minder
gewaltigen Schrittes voran, so z.B. wenn sie dem siechenden Fluss der
Leichen folgen ("Down The River Of Corpses") oder den steinigen Weg zum
Friedhof entlang wandern ("The Road To The Gravegarden"), wo die
verrotteten Gebeine der armen Seelen begraben liegen, die tatenlos mit
ansehen mussten, wie ein ganzes Zeitalter vor ihren Augen zu Grabe
getragen wurde ("The Funeral Of An Age").
Wahrlich! Schwärzer und hoffnungsloser kann man traditionellen Doom Metal
gar nicht spielen. Hier ragt jeder einzelne Song wie ein ehrfürchtiges
Mahnmal in den von dunklen Wolken bedeckten Himmel empor und jede Note
durchfährt den Körper des Hörers wie ein wuchtig herabsausendes Fallbeil.
Und dann wäre da noch der voller Hingabe dargebotene Gesang Felipe Plazas,
der gleich einem manischen Propheten aus vollster Kehle das Ende aller
Tage verkündet. Glaubt mir, wenn Procession mit ganzer Wucht in die Saiten
greifen und ihren urwüchsigen Doom Metal zelebrieren, dann könnt ihr vor
eurem geistigen Auge förmlich sehen, wie die vier Reiter der Apokalypse
auf ihren knochigen Rössern durchs Land preschen und ringsum die Erde vom
Höllenfeuer vertilgt wird.
Somit dürfte dann auch unmissverständlich klar sein, dass alle treu
ergebenen Jünger von unbeugsamen Doom Metal-Königen wie The Gates Of
Slumber, Count Raven und Reverend Bizarre gar keine andere Wahl haben, als
Procession in die Riege ihrer unheilvollen Ikonen aufzunehmen und mit
hingebungsvoll gesenktem Haupt dem fauligen "Cult Of Disease" beizutreten!
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