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Keine
Ahnung, wie das unbemerkt an mir vorbei ziehen konnte, aber ich hab
tatsächlich erst vor ein paar Tagen beim zufälligen Stöbern im DVD Laden
meines Vertrauens erfahren, dass eine der legendärsten Horrorkomödien
der 80er Jahre, Jim Muros völlig überzogenes Meltdown-Massaker
"Street Trash", vor wenigen Wochen erst als genial aufgemachte und mit
tonnenweise Specials voll gestopfte Doppel DVD neu aufgelegt wurde.
Klar, dass ich das Teil nicht einfach im Regal stehen lassen konnte,
handelt es sich bei "Street Trash" doch um einen waschechten Kultfilm,
den ich bis jetzt nur in Form eines alten, abgenudelten Videotapes
besaß. Doch diese Tage sind Geschichte, denn fortan kann ich mir den
Streifen nicht nur endlich mal im englischen Original anschauen, sondern
vor allem auch in optimaler Bildqualität. Das allein sollte eigentlich
schon genügen, um den Kauf dieser DVD vollauf zu rechtfertigen und so
ist es natürlich umso erfreulicher, dass sich das Label PCM bei diesem
fantastischen Release nicht etwa mit dem Pflichtprogramm begnügt hat,
sondern uns vielmehr auch noch eine geniale Bonus DVD beschert hat, die
u.a. die zweistündige und extrem interessante Dokumentation "The
Meltdown Memoirs" sowie die ursprüngliche Kurzfilm-Fassung des Films
beinhaltet. Beides natürlich absolute Leckerbissen, die sich kein
"Street Trash"-Fan entgehen lassen sollte.
Was den Film selber anbelangt, so dürften die meisten Freunde
geschmacklos-guten 80er Horrors sicherlich schon mehr oder minder im
Bilde darüber sein, was für ein herrlich heilloses Chaos uns hier auf
der Leinwand, bzw. dem Fernsehschirm erwartet. Für alle diejenigen, die
bisher hingegen noch nicht in den grotesken Genuss von dieser
aberwitzigen Trashperle gekommen sind, gibt es im folgenden noch einmal
die Handlung des Films in Kurzform:
Wir befinden uns Mitte der 80er Jahre im schäbigsten und
heruntergekommensten Viertel von New York, wo ein profitgieriger
Spirituosenhändler soeben eine Kiste mit einem mysteriösen Gebräu namens
Viper in einer dunklen Ecke seines Kellers gefunden hat. Da Alkohol
bekanntlich mit dem Alter eher besser als schlechter wird, macht es auch
nichts, dass die Flaschen bereits mehr als ein halbes Jahrhundert auf
dem Buckel haben und so landen sie prompt in den Regalen des
Schnapsladens, wo sie zu Dumpingpreisen an die ansässigen Obdachlosen
verscherbelt werden.
Sehr zu deren Pech wird man vom Genuss eines Schluckes Viper jedoch
nicht etwa betrunken, sondern vielmehr beginnt man innerlich zu
schmelzen und sich aufzulösen, bis nur noch ein ekeliger, matschiger
Brei auf dem dreckigen Bordstein zurückbleibt.
Ein äußerst unglücklicher Umstand, denn bei dem harten Leben auf der
Straße hätte ein kräftiger Schluck Alkohol sicherlich so manche Sorge
vergessen gemacht. So jedoch müssen sich die gebeutelten Landstreicher
auch weiterhin Tag für Tag mit dem sadistischen Vietnam-Verteranen
Bronson, der die hiesige Mülldeponie mit eiserner Hand regiert, sowie
dem schmierigen Schrottplatzbesitzer Schnitzer und dem knallharten
Gesetzeshüter Bill herumplagen und obendrein auch noch mit ansehen, wie
ihre Reihen durch den Viper-Genuss rapide dezimiert werden und ein
Obdachloser nach dem anderen auf unschöne Art und Weise zu einem Haufen
Matsch zusammenschmilzt.
Klar, dass ein solches Szenario massig Raum für ausufernde
Splattereffekte liefert und selbigen hat das Team um Regisseur Jim Muro
(der inzwischen übrigens die Karriereleiter mit einem Affenzahn hinauf
geklettert ist und u.a. als Steadycam-Operator bei "Titanic", "Casino"
und "The Fast And The Furious", sowie als Kameramann bei "Open Range", "L.A.
Crash" und "Rush Hour 3" mitgewirkt hat) auch bis zum Erbrechen genutzt.
So bekommen wir den ganzen Film über blutige Make-Ups, glitschige
Latexmasken und schleimiges Gesplatter en masse zu sehen und dürfen mit
ansehen, wie die armen Unwissenden, die fatalerweise einen Schluck Viper
zu sich genommen haben, kurze Zeit später auf abscheuliche Art und Weise
ins Gras beißen müssen... manche von ihnen platzen und zerfetzen
regelrecht, anderen fließt die geschmolzene Haut bei lebendigem Leibe
vom Körper und wieder andere lösen sich auf und spülen sich in ihrem
Todeskampf selbst die Toilette herunter. Als Gorehound mit einem Faible
für groteske und stets mit einem Augenzwinkern dargestellte Todesarten
kommt man bei "Street Trash" wirklich voll und ganz auf seine Kosten.
Und auch alle übrigen Versatzstücke, die ein unterhaltsamer B-Movie sein
eigen nennen sollte, lassen sich in diesem Streifen an allen Ecken und
Enden wieder finden und so muss der geneigte Fan auch auf eine satte
Dosis bissigen Humor, eine gute Portion nackte Haut und stimmig
hergerichtete Kulissen keinesfalls verzichten.
Ganz im Stil von Genre-Klassikern wie "Braindead", "Re-Animator", "The
Toxic Avenger" und "The Dead Next Door" wird hier auf gleichermaßen
charmante wie respektlose Art und Weise auf den B-Movie Putz gehauen und
ein unvergleichliches Trash-Spektakel abgeliefert, das jedem Splatterfan
runter gehen dürfte wie eine vollmundige und über die Jahre gereifte
Flasche Viper. Ganz klar, dieser DVD Release war längst überfällig (vor
allem auch weil die einzige andere DVD in deutscher Sprache, die vor gut
10 Jahre von Dragon Entertainment veröffentlicht wurde, schon seit
Urzeiten vergriffen und dementsprechend teuer zu erstehen ist).
Übrigens, wem das Zusatzmaterial bei DVDs mehr oder weniger egal ist,
für den besteht außerdem die Möglichkeit, anstelle der hier
besprochenen, auf 999 Einheiten limitierten "Collector's Edition" auch
die normale und etwas günstigere "Widescreen Edition" zu erwerben, die
mit einem anderen Artwork und ohne Bonus DVD daherkommt. |