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Wow,
ich brech zusammen, die neue UNLEASHED hat soeben meine Anlage erreicht
und im Sturme genommen, natürlich noch gebrandschatzt und geplündert, wie
für einen ordentlichen Wikinger so üblich. Mal ehrlich, was geht hier denn
ab? Auch 15 Jahre nach dem gigantischen Debütalbum „Where no life dwells“
sind UNLEASHED noch genau sie selbst. Die etwas gemässigteren Scheiben der
mittleren bis späten 90er, die ja trotzdem geil waren, sind vergessen, die
Band hat soeben ihr bestes Album seit 14 Jahren veröffentlicht.
Man macht es genau richtig. Riffs, die zwischen schreddernden, speedig
dahingedonnerten und schwer walzenden Variationen pendeln, infernalisch
jaulende Leadgitarren bei den gar nicht so unmelodischen, aber verflucht
intensiven Soli, ein wie besessen auf sein Kit eindreschender Drummer, der
sich auch im Zeitalter digitaler Produktionen noch wie ein echter
Schlagzeuger anhört, dazu Johnny Hedlund, der Meister selbst, am Mikro,
der mit sehr rauher, aber verständlicher Stimme im Deathmetalstil singt
(!!!) und nicht einfach nur grunzt. Ja, er singt. Und damit noch nicht
alles.
Nein, es sind die Kompositionen, die hier alles rausholen. Natürlich ist
das kein ultrabrutaler und höchst technischer Amideath, dafür bin ich
UNLEASHED auch wirklich dankbar, denn die Songs sind allesamt
nachvollziehbar, ja wirklich eingängig, ohne daß sie nach mehrmaligem
Hören etwas von ihrer faszinierenden Ausstrahlung eingebüßt hätten. Es
sind ganz klassische Deathmetalsongs, genau das, was UNLEASHED in den
letzten 17 Jahren seit ihrer Gründung so getrieben haben. Die Stücke
drücken und peitschen, als hätten wir nach wie vor 1992 und hiermit den
eigentlichen Nachfolger zum Debüt vorliegen. Wer sich mit über 30 noch so
jugendlich frisch präsentiert, hat mein Lob verdient.
Den Leadgitarristen hatte ich ja schon erwähnt, er ist ein Tier, ein
absoluter Spitzenmann. Wo heuer vielen Bands die Soli einfach abgehen,
grad bei den bescheuerten Metalcoretruppen, da jagt der Axtmann von
UNLEASHED umso furiosere Läufe vom Halse seiner Sechssaitigen und
injiziert noch mehr wahnsinnige Leidenschaft in die ohnehin
emotionsüberladenen Kraftbolzen auf „Midvinterblot“.
Wer so schön die mittelschnellen Headbangermomente zelebriert und dann im
nächsten Augenblick wie eine Walkürenstampede losbrettert, ohne daß der
Song aus dem Fluß gerät, der macht doch etwas richtig. Einige Momente
kommen einem vielleicht angenehm vertraut vor, aber wir haben nun einmal
2006 und nicht 1992, man hat sicher fast alles schon einmal gesagt, was
man sagen kann, aber die Art wie man es sagt, die erfrischt das Genre
immer wieder. Einen Speedfetzer wie „Psycho Killer“ wird man nur lieben
können. Er prescht nach vorne wie eine tollwütige Wildsau, da sind diese
durchdringend düsteren Gitarrenharmonien, welche den ursprünglichen
Deathmetal erst zu sich selbst geführt haben, da sind wieder Soli, die in
ihrer markerschütternden Art den Jerichotrompeten der deutschen Stukas
gleichkommen und da ist diese packende, mitreißende Hymnenhaftigkeit, die
Dir diesen Track auf Ewig in die Seele brennt. Und so ist die gesamte
Scheibe, ein kommender Klassiker, zeitlos, ergreifend schön, trotz seiner
fiesen Art.
Metal lebt! Deathmetal lebt! Für Liebhaber wildesten und doch echtesten
Stahls ein absolutes MUSS! |